HU Berlin : Humboldts Kapital

Eine Londoner Bank gibt der HU Berlin 50 Millionen Euro, damit Forscher ihre Ideen in Firmen vermarkten können.

Tilmann Warnecke

Wie können Hochschulen an zusätzliches Geld kommen? Eine neue Möglichkeit hat die Humboldt-Universität Berlin aufgetan: Sie arbeitet jetzt mit einer Londoner Investmentbank zusammen, um neue Mittel zu akquirieren. 50 Millionen Euro sollen über die Bank „First London Securities“ an die HU fließen. Ein bindender Vorvertrag sei unterschrieben, sagt Dirk Radzinski, der als Geschäftsführer der „Humboldt-Innovation GmbH“ die Idee für das Geschäft hatte und es für die HU durchgeführt hat. Er hoffe, das erste Geld werde im Herbst fließen. Die Zusammenarbeit einer Universität mit einer Investmentbank sei in diesem Umfang in Deutschland „einzigartig“, sagte Michael Linscheid, HU-Vizepräsident für Forschung.

Das Geld sollen Wissenschaftler bekommen, die ihre Erfindungen in einem neuen Unternehmen vermarkten wollen. Viele solcher Firmen würden daran scheitern, dass sie nur schwer größere Summen bekämen, um ihre Ideen umzusetzen, sagt Radzinski. Gerade in Deutschland würden Banken mit Investitionen zögern. Die Kooperation solle auch einen Anreiz für Wissenschaftler darstellen, intensiver darüber nachzudenken, Forschungsergebnisse in marktfähige Produkte zu verwandeln.

Hier eine staatliche deutsche Universität, dort eine private britische Bank – wie funktioniert das Geschäft der ungleichen Partner? Die Londoner Bank, die laut ihrer Webseite auf Geldanlagen in Bereichen wie Biotechnologie oder Regenerative Medizin spezialisiert ist, hat die 50 Millionen Euro von mehreren Investoren eingesammelt. Die Bank bündelt die Mittel in einem Fonds, über den die Firmen finanziert werden. Als Gegenleistung erhalten die Investoren Anteile an den HU-Firmen, denen sie über den Fonds Geld geben. Die Investoren setzten darauf, dass die Unternehmen irgendwann Gewinne erwirtschaften oder mit Gewinn weiterverkauft werden – und sie in der Höhe ihrer Anteile am Gewinn beteiligt werden.

Ein Beispiel, wie das Prinzip funktionieren könne, sei die Berliner Pharmafirma Jerini, die Charité-Forscher gründeten, sagt Radzinski. Die Firma macht zwar Verluste. Ein Konzern hat sie jetzt dennoch für 360 Millionen Euro gekauft, weil er auf künftige Profite mit einem von Jerini entwickelten Medikament hofft. Beim Verkauf bekamen die ursprünglichen Kapitalgeber dreimal so viel Geld zurück, wie sie in Jerini reingesteckt hatten.

In der Öffentlichkeit sind Finanzinvestoren oft als „Heuschrecken“ verschrieen. Geht die HU mit dieser Liaison ein finanzielles Wagnis ein – muss die Uni hohe Gewinne garantieren? Nein, sagt Radzinski: „Das Risiko liegt allein bei der Bank.“ Selbst wenn alle Projekte scheiterten, entstünden der HU keine Kosten. Die „Humboldt-Innovation“ würde im Gegenteil Geld dafür bekommen, dass sie aussichtsreiche Unternehmensideen an die Bank vermittele. Man vertraue auf die Erfahrungen der Investmentmanager mit solchen Finanzierungsmodellen. Es sei international nicht unüblich, dass Investoren einen in ihren Augen überschaubaren Betrag in Projekte steckten, deren Ausgang zwar sehr ungewiss sei, im Erfolgsfall aber einen hohen Gewinn versprächen. So habe die Bank einen ähnlichen Fonds mit dem Londoner Imperial College aufgelegt. In den USA würden Unis seit einem Jahrzehnt mit Banken kooperieren.

Mittelfristig sei auch vorstellbar, dass eine Bank direkt in ein erfolg versprechendes Forschungsprojekt finanziere, sagt Radzinski. In den USA würden Forscher so bereits Mittel einsammeln. Die Investoren würden dann ihr Geld zurückbekommen, indem man sie an den entstehenden Patenten beteilige.

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