Humboldt-Universität Berlin : Lesen mit Aussicht

Richtfest für die neue HU-Bibliothek in Mitte.

Tilmann Warnecke

Noch steht die neue Zentralbibliothek der Humboldt-Universität in Mitte nur im Rohbau, doch eines zeichnet sich bereits jetzt ab: Sich allein aufs Studieren und Forschen zu konzentrieren, dürfte manchen Nutzern schwer fallen. Zu schön ist die Aussicht von den Plätzen, die künftig an der Fensterfront in den oberen Stockwerken stehen sollen. Der Blick reicht von den Domen am Gendarmenmarkt über den Reichstag bis hin zum Fernsehturm. Der Ausdruck „Der Himmel über Berlin“ werde nach der Fertigstellung des Gebäudes im nächsten Jahr eine ganz neue Bedeutung bekommen, scherzte Bibliotheksdirekor Milan Bulaty gestern, als die Uni das Richtfest für ihre neue Bibliothek, das „Jacob und Wilhelm Grimm-Zentrum“, feierte.

Seit dem Sommer 2007 wird der Bau nahe des Bahnhofs Friedrichstraße entlang den Stadtbahnbögen hochgezogen. Anfang 2010 soll die neue Bibliothek für Studierende und Wissenschaftler offiziell eröffnet werden. Ein fast 180 Jahre währendes Provisorium wird dann beendet: Zum ersten Mal überhaupt erhält die Unibibliothek ein eigenes Gebäude, bisher war sie Untermieterin der Staatsbibliothek. Zwölf Teilbibliotheken der Geistes- und Sozialwissenschaften ziehen ebenfalls in den Neubau um. „Maßstäbe“ wolle die HU damit setzen, sagte Präsident Christoph Markschies. Zwei Millionen Bände werden für Studierende und Wissenschaftler jederzeit in den Regalen verfügbar sein, laut HU wird das der größte Freihandbestand in Deutschland sein. Dazu kommen 500000 schützenswerte ältere Bücher im Archiv, insgesamt 43 Kilometer Bücher werden aufgereiht. Der Computer- und Medienservice der Uni wird dort ebenfalls konzentriert.

Der Bau sei voll im Zeitplan, der Kostenrahmen von 75,5 Millionen Euro werde eingehalten, sagte Architekt Max Dudler. Eine „zeitentrückte Architektur “ sei ihm gelungen, lobte Bulaty den Architekten. Erkennbar ist bereits auch der zentrale Lesesaal, der zusätzlich zu den Plätzen an den Fenstern gebaut wird und das Herzstück der Bibliothek bilden soll. 525 Arbeitsplätze sollen in dem Saal entstehen, verteilt auf vier Stockwerke. Die Nutzer sitzen sich dabei quasi auf Terrassen gegenüber. Insgesamt sollen 1250 Nutzer einen Platz finden, 500 Plätze werden mit Computern ausgestattet. Ein Eltern-Kind-Bereich ist vorgesehen, in dem ein Spielbereich für die Kinder in Sichtweite ihrer Eltern eingerichtet wird. Die Bibliothek übernehme auch eine soziale Funktion, sagte Bulaty – es solle eine Atmosphäre herrschen, bei der „Menschen Lust haben, sich zu treffen“.

An Werktagen wie am Wochenende wolle man künftig „möglichst lange“ geöffnet sein – am besten bis Mitternacht, hofft Bulaty. Um das finanzieren zu können, sei die Bibliothek so konzipiert, dass man sie in den Abendstunden – wenn die Beratungsangebote eingeschränkt werden – mit nur vier Mitarbeitern offenhalten könne.

Mehr Informationen unter: Jacob und Wilhelm Grimm-Zentrum.

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