Schule : Ich bin zwei C-Klasse

Wie der meistverkaufte Mercedes in Zukunft aussieht, zeigte Konzernchef Zetsche jetzt in Stuttgart

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Nun denn: In Zukunft können die sportbegeisterte Tochter und der traditionsbewusste Vater beide C-Klasse fahren und doch mit verschiedenen Autos unterwegs sein. Optisch jedenfalls. Erkennen wird man die Familie an dem, was einen Mercedes zum Mercedes macht. Der Stern – bei den klassisch geprägten C-Modellen Classic und Elegance wie gehabt auf der Haube. Anders beim Typ Avantgarde. Der trägt an dieser Stelle nur einen Pfropfen. Der Stern sitzt plan im chromgerippten Kühlergrill. Bisher durften dieses eigenständige Gesicht nur die sportlichen Coupés der Marke tragen. Jetzt gibt es eine neue Linie, erstmals „verschiedene Persönlichkeiten innerhalb einer Reihe“. Bei Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche klang das ziemlich stolz am Donnerstagabend.

Das Zwei-in-Eins-Prinzip zog sich wie ein roter Faden durch die Premiere in Stuttgart: Mercedes schaffe einen Spagat, „den vor dieser neuen C-Klasse noch keiner geschafft hat“. Der Komfortabelste will er sein. Und zugleich der Agilste. Ob es den Ingenieuren gelungen ist, den ewigen Widerspruch in einem neuen Fahrerlebnis aufzulösen? Abwarten. Noch durften den Neuen nur der Vorstand und die Tester fahren (die aber gleich 24 Millionen Kilometer).

Bloßes Anschauen und Anfassen haben schon mal Lust gemacht. Die C-Klasse wird viel sportlicher, viel dynamischer. Die C-Klasse wird zum Keil, trägt Dynamik zur Schau. Das liegt an der deutlich breiteren Spur, den ausgestellten Radkästen, den neuen Scheinwerfern und den scharfen Linien, die sich wie ein Pfeil über die Motorhaube ziehen. All das erinnert frech an die Oberklasse des Hauses – was die Kundschaft so oder so sehen kann. Die C-Fraktion wird sich über den Designsprung freuen. Endlich können sie das leidige Etikett „bieder“ einmotten. Aber die S-ler, die könnten verschnupft sein – steht doch in Nachbars Garage bald einer, der wertvoll aussieht wie ein Großer, aber in Wahrheit nur einen Bruchteil wert ist. Bei knapp unter 30 000 Euro sollen die Preise beginnen, wenn es so weit ist.

Das wird im März sein – dann können die Kunden sich mit der neuen C-Klasse anfreunden. Im Innenraum werden sie keine Sensationen erleben. Alles mercedes-like. Keine Spielereien. Aber auch kein Ah und kein Oh. Neu ist das versenkbare Display des Command-Systems; jetzt sitzt es oben im Armaturenbrett und liegt besser im Blick. Hochgewachsene touchieren das Dach, wenn Sie hinten mitfahren – Tribut an die schöne, schnelle Form. Die Kniefreiheit dagegen ist primstens – Lohn der größeren Karosserie.

Die C-Klasse ist bei der aktiven Sicherheitstechnik up to date: Radar-Abstandsregelung und vor allem Presafe. Dieser Assistent schließt bei drohendem Unfall Schiebedach und Seitenscheiben, er strafft die Gurte und fährt den Beifahrersitz in die sicherste Position. Ein Erbe der E-Klasse ist das Intelligent-Light-System mit aktivem Kurvenlicht.

Auf der Antriebsseite tut sich weniger. Die Kompressor-Vierzylinder, die Sechszylinder sowie die Diesel legen zum Teil an Leistung und Drehmoment zu, sollen aber bis zu sechs Prozent sparsamer laufen. Neu ist eine Stop-Start-Funktion. Die Getriebeautomatik für die Sechszylinder verfügt jetzt über sieben Gänge, auch Allradantrieb wird wieder angeboten. Die Stahlfederung bleibt, soll aber in Verbindung mit regelbaren Stoßdämpfern eine „eindrucksvolle Mischung aus Komfort und sportlichem Fahrgefühl“ ergeben. Genau diese Mischung sollen möglichst viele er-fahren: Zetsche kündigte an, mehr und intensive Probefahrten wie nie zuvor in den Mittelpunkt der Markteinführung zu stellen.

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