Schule : Ihr Verbandkasten – noch Mull oder schon Müll?

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DER SICHERHEITSTIPP

Zur Hauptuntersuchung, da muss man ihn vorzeigen – den Verbandkasten, wie er für jedes Auto vorgeschrieben ist. Und danach wird er wieder in die angestammte Ecke im Kofferraum gelegt. Oft genug bis zur nächsten Kontrolle in zwei Jahren. Und bei manchem in die Jahre gekommenen Auto ist er nicht jünger als dieses. Genau das aber kann ganz fatale Konsequenzen haben. Dann nämlich, wenn der Verbandkasten ganz unerwartet plötzlich doch gebraucht wird.

Wie bei unserer letzten Wochenendfahrt. Recht flott war er unterwegs, der ein wenig angerostete Kombi mit einer großem Beule am Heck, der sicher schon bessere Jahre erlebt hat. Aber schon kurz nach einem beherzten Überholmanöver sahen wir ihn nach einer scharfen Kurve wieder. Nicht mehr auf der Straße allerdings, sondern mit einer neuen noch viel größeren Beule und zerbrochener Frontscheibe im Straßengraben. Er musste gerade dort gelandet sein. Denn seine Passagiere saßen noch auf ihren Plätzen – ein wenig benommen der Fahrer, der recht heftig blutete und blass wie eine Kalkwand seine Beifahrerin.

Schnelle Hilfe war angesagt. Besonders beim Fahrer, bei dem offenbar ein größeres Gefäß verletzt war. Das sah ganz nach einem schnellen Druckverband aus. Sich jetzt Vorwürfe zu machen, dass die letzte Auffrischung der Erste-Hilfe-Grundregeln schon mehrere Jahre zurück lag, dafür war allerdings keine Zeit. Auf die Frage nach dem Verbandkasten deutete der Fahrer auf den Laderaum. Zum Glück mussten wir in dem Durcheinander dort nicht allzu lange suchen, hielten den Verbandkasten schnell in den Händen. Er war ebenso angerostet und verbeult wie das Auto, erschien uns alles andere als Vertrauen erweckend.

Und als wir den Deckel hoben, da sahen wir die Bescherung. Denn was wir hier fanden, war mehr Müll als Mull. Die Schere war völlig verrostet, das Pflaster verblichen und nicht bereit, auch nur noch ein wenig zu kleben. Nur die Verbandpäckchen schienen noch brauchbar. Um Erste Hilfe zu leisten, griffen wir zu, legten einen ersten Verband an. Trotz der fehlenden Übung gelang das besser, als wir befürchtet hatten. Und dann hatten wir Zeit, unseren Verbandkasten zu holen, um auch den Beifahrer zu versorgen.

Unser Kasten war noch recht neu. Ein Zufall, wenn wir ehrlich sind. Denn als wir an unseren wenig benutzten Zweitwagen dachten, da ahnten wir, dass es dort ähnlich schlimm aussehen könnte wie bei dem Unfallauto. Denn bislang hatten wir den Kasten nie benutzt, ihn eben nur zur Hauptuntersuchung kurz hochgehalten – ohne ihn zu öffnen. Als wir das nach der Rückkehr nach Hause erstmals taten, sahen wir mit einem Blick, dass er total verrottet war.

In einem Notfall ist es elementar wichtig, dass man auch brauchbares Verbandmaterial zur Hand hat. Und so schlimm wie in unserem alten Verbandkasten sieht es bestimmt in vielen Millionen anderen aus, die tagtäglich durch die Gegend gefahren werden. Deshalb prüfen Sie einmal ihren Verbandkasten. Wer sich nicht sicher ist, sollte seinen Apotheker fragen. Aber da Verbandkästen und Verbandkissen nicht alle Welt kosten, sollte man hier nicht unnötig geizig sein und lieber einen neuen kaufen. Und da Schenken in den nächsten Wochen besonders aktuell ist, könnte man einem motorisierten Mitbürger vielleicht auch mit einem neuen Verbandkasten eine Freude machen. ivd

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