Schule : In Anlehnung an die 70er

Bei der Kawasaki Z 1000 ist allerdings bis auf den Namen alles neu

Gideon Heimann

Wenn Kaiser Franz, der Beckenbauer, Anfang Dezember im TV Handys verkauft, dann gurrt er oft verzückt: „Jo is donn scho Wojnochtn?“ Wir haben diese Emphase bislang für reichlich aufgesetzt gehalten. Aber nun, nach einer Spritztour mit Kawasakis neuer Z 1000, nähern wir uns durchaus einer ähnlichen emotionalen Eruption. Schmettern wir daher im Januar ein fröhliches „Ey, issat schon Somma?“ zurück. Ist es nicht, wissen wir, aber man darf doch mal träumen.

Liegt es an dem kurzen Radstand von 1420 Millimetern, oder vielleicht an dem vergleichsweise steilen Lenkkopfwinkel (24 Grad)? Gepaart mit einem für diese Bauart fast breiten Lenker lässt sich die leer etwa 210 Kilo wiegende Vierzylinder jedenfalls überaus einfach manövrieren. Der Oberkörper muss nur wenig nach vorn gebeugt werden, die Handgelenke bleiben also weitgehend entlastet. Die Sitzhöhe wird mit 825 Millimetern angegeben – das ist zwar reichlich, aber um wirklich tiefe Kurvenlagen zu ermöglichen, sind die Fußrasten auch noch einigermaßen weit hochgesetzt. Der Kniewinkel spitzt sich spürbar zu, doch unangenehm wird’s nicht. Auch für den Sozius reicht der Abstand zwischen Sitz und Rasten durchaus.

Spätestens jetzt fragen wir uns, was denn das für ein Typ Motorrad ist. Bis auf ein winziges Lampenlätzchen ist sie unverkleidet, die Sitzbank hängt frei, das Hinterrad wird auf dem ersten Stück in der Aluschwinge von einem Spritzschutzhäubchen verdeckt. Und dann die Edelstahltöpfe, auf beiden Seiten Zwillingsrohre, die an die Z 1000 der 70er Jahre erinnern sollen – also: die Gute ist optisch schon mächtig aufgemotzt.

Und die Technik? Die ist in jedem Fall besser als jene der 70er Jahre. Hier wurde nicht gespart: Da ist die in allen Bereichen einstellbare Upside-Down-Gabel zu nennen, auch das Zentralbein im Heck lässt sich in Federvorspannung, Druck- und Zugstufe des Dämpfers justieren. Ob der Heckgummi freilich die Ausmaße 190/50-17 wirklich braucht, mag dahingestellt bleiben. Der Bridgestone vorn kommt mit 120/70-17 aus.

Andererseits ist eine breite Auflage nicht schlecht, wenn es gilt, Traktion zu übertragen. Und schon sind wir beim Thema Motor. Denn 127 PS (bei 10000/min) und 95,6 Newtonmeter Drehmoment (bei 8000/min) kann man nicht auf Fahrradreifen ins Pflaster treten lassen. Noch viel größer ist der Genuss, dass man’s gar nicht muss. Ohne zu hansmosern lässt das Aggregat 50 km/h im Sechsten zu – eigentlich eine Qual von nur 2000/min für eine Orgel, die erst bei 11000/min die weiße Fahne schwenkt. Dennoch: ohne Ruckeln oder Klappern geht’s selbst aus diesem Keller hinaus in die weite Drehzahlwelt.

Es ist ein im Hubraum etwas vergrößerter 900er Ninja-Motor, der zugunsten des Drehmoments modifiziert worden ist, erläutern Thomas Zander und Hans Schöttle von ZFS in Marienfelde, die die 1000er für die Probefahrt herausgerückt hatten. Die elektronisch geregelte Einspritzung sorgt für eine weiche, gleichmäßige Beschleunigung, wobei sich der stets kräftige Schub ab 4000/min noch spürbar verstärkt. Ungeregelte Katalysatoren sind integriert, wodurch die Vorgaben der kommenden Euro II eingehalten werden.

Angesichts der fast nagelneuen, eiskalten Reifen und der Splittreste auf der Straße bremsen wir uns jedoch. Und zwar mit den beiden gut zu dosierenden Vierkolben-Festsattelbremsen vorn und der Einkolben- Schwimmsattelbremse hinten. Der Bremshebel ist auf die Fingerlänge einstellbar, der Kupplungshebel nicht. Die Instrumente bestehen aus einem futuristisch anmutenden LCD, das Tempo (Vmax deutlich über 200 km/h) wird digital angezeigt, die Drehzahl quasi als Umrandung. Ein digitales Kühlwasserthermometer ist auch integriert. Nur die Spiegel sollten sofort abgesprengt werden, Normalwüchsige geraten damit zu schnell auf den Narziss-Trip.

Das Fazit: Wer sich von dem wilden Aussehen der Z 1000 nicht zu einer ebensolchen Fahrweise verführen lässt, wird lange Spaß an dem leichten Handling und dem überaus elastischen Motor haben. Für rund 10 000 Euro gibt es ein Motorrad, das grundsolide gebaut ist. Oder, wie Franz sagen würde: „Jo, dös passt scho!“

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