Integration an Schulen : Ohne Härte geht es nicht

Schüler aus dem Weddinger Brunnenviertel diskutieren mit Politikern über Integrationspolitik. Geht es nach ihnen, ist die Politik seit Jahren auf dem Holzweg.

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Beim Thema Integration wissen die Schüler des Diesterweg-Gymnasiums, der Ernst-Reuter-Oberschule und der Willy-Brandt-Oberschule ganz genau was sie wollen: Mehr Härte.
Beim Thema Integration wissen die Schüler des Diesterweg-Gymnasiums, der Ernst-Reuter-Oberschule und der Willy-Brandt-Oberschule...Foto: Kai-Uwe Heinrich/TSP

Wie viel Zwang braucht Integration? Viel – weil es ohne nicht geht. Das ist die Antwort, die Oberstufenschüler aus dem Weddinger Brunnenviertel geben, nachdem sie sich mehrere Monate lang mit der Frage beschäftigt haben, wie Integration gelingen kann und warum es dabei immer wieder so große Probleme gibt.

Die beteiligten Schüler der neunten, zehnten und elften Klassen wissen, wovon sie sprechen. Sie besuchen im Wedding Schulen, an denen mehr als 80 Prozent der Schüler aus Einwandererfamilien kommen: die Ernst-Reuter-Oberschule, das Diesterweg-Gymnasium und die Willy-Brandt-Oberschule.

In der Regel verbringen Politiker, Sozialarbeiter, Soziologen und auch Journalisten viel Zeit damit, über diese Jugendlichen zu sprechen statt mit ihnen. Das Projekt „Integration durch Bildung“ des Bildungsverbunds Brunnenviertel will das ändern und den Jugendlichen im Wahljahr 2011 selbst eine Stimme geben. Am Freitag stellten die Schüler ihre in Arbeitsgruppen, einem Grund- und einem Leistungskurs erarbeiteten Thesen vor – und diskutierten diese mit den beiden ehemaligen Regierenden Bürgermeistern Walter Momper (SPD) und Eberhard Diepgen (CDU) sowie der Grünen-Landesvorsitzenden Bettina Jarasch. Moderiert wurde die Debatte von Gerd Nowakowski, Leitender Redakteur des Tagesspiegels.

„Wir, die hier sitzen, werden hier im Wedding unser Abitur machen“, sagte Ibrahim Atriss, 17, Schüler der Ernst-Reuter-Schule. „Aber wir würden unsere Kinder nicht auf die Schulen schicken, die wir selbst besuchen.“ Mancher Zuhörer musste schon ein bisschen schlucken, welche Lösungen die Jugendlichen vorschlugen, um die Probleme ihrer eigenen Schülergruppe zu lösen: Lehrer sollten autoritärer sein, Schwänzen sollte am besten mit Kindergeldentzug bestraft werden. Die Justiz müsste kriminelle Jugendliche schneller und härter bestrafen und schließlich, weil Deutschkenntnisse den Schülern zufolge entscheidend für alles Weitere sind, sollte nicht nur der Kindergartenbesuch Pflicht werden – sondern auch die Eltern müssten dazu verpflichtet werden, Deutsch zu lernen. „Wenn der Vater kein Deutsch spricht, spricht die ganze Familie kein Deutsch“, sagte der 18-jährige Souhaib Bassal, Schüler der Ernst-Reuter-Schule.

Mit der liberalen Haltung vieler Lehrer kommen die Schüler nicht klar. Von zu Hause sind sie anderes gewohnt. Lesen Sie weiter auf Seite 2.

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