Interview : "Ich habe nicht mit Rücktritt gedroht"

Christoph Markschies, Präsident der Humboldt-Universität, zur Kritik an seiner Amtsführung.

Christoph Markschies
Christoph Markschies. -Foto: dpa

Herr Markschies, Sie haben der Humboldt-Universität in der vergangenen Woche mit Rücktritt gedroht. Warum?

Ich habe nicht mit Rücktritt gedroht, sondern ich habe gesagt, dass die Universität sich ein anderes Präsidium wählen müsste, wenn sie nicht wollte, dass wir die vor uns liegenden Aufgaben energisch angreifen.

Ihr Zukunftskonzept ist im Elitewettbewerb gescheitert, weil die Gutachter konkrete zeitliche, finanzielle und organisatorische Pläne vermissten. Der Akademische Senat hat beschlossen, einen Großteil des Konzepts nur als Diskussionsgrundlage zu verstehen. Ist es Ihnen vielleicht nicht gelungen, der Uni zu verdeutlichen, wie Sie Ihr Konzept auf solide Beine stellen wollen?

Das Konzept ist nicht gescheitert, sondern es ist nicht zur Finanzierung vorgeschlagen worden, weil es im Vergleich zu den anderen Konzepten noch nicht genügend ausgearbeitet war. Das haben so auch die Gutachter gesagt. Wir haben jetzt in der Universität einen Weg miteinander verabredet, auf dem wir genau diese Präzisierung durchführen werden.

Sie haben in der letzten AS-Sitzung der Uni mitgeteilt, sie werde in die Regionalliga absinken, wenn sie Ihrem Zukunftskonzept nicht zustimmen sollte. Womit begründen Sie diese Prognose?

Ich habe nicht gesagt, dass wir in die Regionalliga absteigen, wenn meinem Zukunftskonzept nicht zugestimmt wird. Ich habe gesagt, wenn es uns nicht gelingt, ein förderfähiges Zukunftskonzept gemeinsam zu entwickeln, dann werden wir in die Regionalliga absteigen. Das ist eine vergleichsweise triviale Aussage. Denn ohne Zukunftskonzept wird eine Universität in die Regionalliga absteigen.

Hat der Akademische Senat nicht nur die Notbremse gezogen? Immerhin hat Ihr Vizepräsident für Haushalt Zweifel an der Finanzierbarkeit Ihrer Pläne geäußert.

Da zitieren Sie meinen Vizepräsidenten Frank Eveslage falsch. Herr Eveslage und ich und übrigens auch das gesamte Präsidium sind immer der Auffassung gewesen, dass nach den Entscheidungen in der Exzellenzinitiative das Zukunftskonzept nicht allein aus Haushaltsmitteln der HU finanziert werden kann. Wir haben aber schon im Dezember 2006 einen Weg vorgeschlagen, wie man im Haushalt der Universität zusätzliche Mittel freibekommen kann. An dieser Stelle ist sich das Präsidium vollständig einig.

Hat Ihnen der Wissenschaftssenator beträchtliche zusätzliche Summen aus dem Masterplan für Ihr Zukunftskonzept zugesagt?

Das Geld aus dem Masterplan wird wettbewerblich vergeben. Wir haben selbstverständlich keine Vorabzusagen darüber, dass wir ohne förderfähige Anträge Geld bekommen werden. Darum müssen wir ganz dringend förderfähige Konzepte entwickeln.

Werden Sie trotz der Schwierigkeiten versuchen, neben dem geplanten Institut für integrative Lebenswissenschaften auch die anderen beiden ursprünglich vorgesehenen integrativen Institute zu installieren?

Das hat uns der Wissenschaftsrat zur Aufgabe gemacht, und ich würde mir wünschen, dass wir dies tun. Denn die Stärken der Universität bestehen ja nicht nur in den Lebenswissenschaften. Sie bestehen auch in den Naturwissenschaften in Adlershof und den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften in Mitte. Es gehört sich also, dass wir finanzielle Mittel beibringen, um für alle starken Bereiche der Universität diese Institutionsform zu realisieren.

Haben Sie bereits konkretere Überlegungen, wie Sie die Mittel akquirieren könnten und um welche Summen es hier etwa geht?

Selbstverständlich haben wir hier konkretere Vorstellungen. Wir sind der Ansicht, dass die Finanzierung solcher Institute sich durch die verschiedenen Förderprogramme, im europäischen Bereich, im bundesdeutschen Bereich und im Landesbereich, realisieren lässt. Der Masterplan zum Beispiel sieht vor, dass Schwerpunkte der Berliner Wissenschaft gefördert werden. Der Förderbedarf wird dann exakt zu beziffern sein, wenn wir die Pläne für diese Institute so ausgearbeitet haben, dass wir förderfähige Anträge haben. Dazu sollten wir uns jetzt ein halbes Jahr Zeit nehmen.

Mit wie vielen Professuren rechnen Sie für das Institut für integrative Lebenswissenschaften und welche Kosten entstehen dadurch?

Der Antrag sah sechs neue Professuren vor. Es scheint mir aber nicht günstig, einem Prozess, den wir jetzt mit den akademischen Gremien und dem nominierten Gründungsdirektor gestalten wollen, vorzugreifen, und seine endgültigen Ergebnisse hier vorwegzunehmen.

Das Geld für Cluster und Graduiertenschulen aus dem Exzellenzwettbewerb läuft womöglich nach fünf Jahren aus. Wie viele Professuren muss die HU dann aus Bordmitteln weiterfinanzieren?

Acht Professuren. Aber alle diese Professuren werden ja für die Laufzeit der Cluster von außen finanziert. Möglicherweise werden die Cluster auch weitere fünf Jahre von Bund und Land gefördert, so dass die Universität die Finanzierung erst zu diesem späteren Zeitpunkt selbst übernehmen müsste.

Vor zwei Jahren bei Ihrem Antritt haben Sie betont, Sie wollten die HU gemeinsam mit ihren Mitgliedern gestalten. Wie nah sind Sie Ihrem Ziel, Brücken zu bauen, gekommen?

Ich denke, ziemlich nah. Wir haben ein integratives Forschungsinstitut für Lebenswissenschaften aufgesetzt, was im Unterschied zu vielen anderen deutschen Universitäten einen verheißungsvollen Auftakt der Integration von Natur- und Geisteswissenschaften durchführt. Wir haben eine starke Diskussion innerhalb der Universität ausgelöst, wo diese ihre Schwerpunkte setzen wird und wie sie sich gemeinsam in die Zukunft entwickelt. Die gemeinsame Fortentwicklung der Humboldt-Universität ist ein unaufhaltsamer Prozess.

Es gibt gleichwohl viel Kritik an Ihrem Führungsstil, zumal im Präsidialbereich. Worauf führen Sie die offensichtlichen Kommunikationsprobleme zurück?

Ich bestreite nachdrücklich, dass es offensichtliche Kommunikationsprobleme gibt. Wir wissen ja alle, wie Gerüchte entstehen. Gerüchte kommentiert man nicht.

Im Elitewettbewerb haben die Gutachter kritisiert, dass das HU-Präsidium nur aus Männern bestehe. Obwohl jetzt zwei Vizepräsidenten neu gewählt werden, wird das auch so bleiben. Bedauern Sie das?

Ich bedaure das, nehme aber voller Freude wahr, dass sich die gesamte Universität umso mehr darum bemüht, die Präsenz von Frauen sichtbar in allen Bereichen zu steigern. Auch ich werde mich dafür mit allen Kräften einsetzen.

Das Gespräch führten Anja Kühne und Tilmann Warnecke.

0 Kommentare

Neuester Kommentar