Schule : Jaguar XJ – so fortschrittlich wie nie zuvor

Siebte Generation mit gelungener Linie, viel Platz, modernster Technik und exzellenten Fahrleistungen ein überzeugendes Oberklasseauto

Ingo von Dahlern

Respektabel ausgesehen hat er auch schon bisher. Doch wenn man sich in den großen Jaguar XJ mit seiner so gelungenen Linie hineinsetzte, war man sofort enttäuscht, wie wenig Platz das so imposant auftretende Auto mit seinen großen Rädern tatsächlich bot. Diese Enttäuschung gibt es in der neuen und nunmehr siebten Generation des XJ nicht mehr. Denn die ist nun erstmals so bequem, wie sie von außen aussieht – wobei man ihr allerdings nicht ansieht, dass sie die S-Klasse mit einer Länge von 5,09 Meter noch um 45 Millimeter übertrifft und beim Radstand mit gut 3,03 Meter sogar sieben Zentimeter mehr bietet als der größte Mercedes. Die Sitze im neuen XJ lassen sich nun sehr viel weiter verstellen, das Lenkrad und erstmals auch die Pedale sind elektrisch justierbar, es gibt spürbar mehr Platz in der Breite und auch der Sitzkomfort überzeugt. Und im Fond des neuen XJ hat man nun richtig Platz, viel Bein- und vor allem auch viel Kopffreiheit und je nach Ausstattung entweder eine Sitzbank für drei Passagiere oder auch zwei elektrisch verstellbare Einzelsitze mit einer Mittelkonsole dazwischen.

Das ist, wie auch der 470 Liter große Kofferraum, nun wirklich Oberklasse – ein ganz neues XJ-Gefühl in jenem großen Jaguar, der mit rund 800 000 seit 1968 gebauten Exemplaren das Jaguar-Bild der letzten vier Jahrzehnte entscheidend prägte. Denn immerhin die Hälfte aller bislang gebauten Jaguar-Modelle gehören zur XJ-Familie. Das neue Raumgefühl gehört zu den am besten erlebbaren Eigenschaften des neuen XJ, der trotz der bruchlosen Fortführung der bewährten Linie, die einen nichts weiter als ein Facelift vermuten lassen könnte, ein durchweg neues Auto ist. Noch dazu eines, das komplett aus Aluminium gefertigt ist – jenem Werkstoff, mit dem die Jaguar-Ursprungsfirma Swallow Sidecars bereits 1922 ihre ersten Motorrad-Seitenwagen baute. Aber das sieht man nicht.

Tatsächlich ist die neue Generation des XJ der wohl fortschrittlichste große Jaguar, der bislang die Fertigungshallen in Coventry verlassen hat – ein hochmodernes Auto, das all das mitbringt was man braucht, um überzeugend gegen die etablierte Konkurrenz in der gehobenen Klasse anzutreten. Und all das zeigt sich in einer geradezu klassischen Optik, bei der es im Interieur mit viel Wurzelholz und gediegen verarbeitetem edlem Leder gelungen ist, typisch britisches Flair und moderne Technik zu einer überzeugenden Einheit zu verschmelzen. Denn bei der neuen Generation des XJ hat man all das bewahrt, was emotional einen Jaguar ausmacht und zugleich all das eliminiert, was bislang beim alltäglichen Umgang mit einem so schönen und charaktervollen Auto störte.

Mit der Entscheidung für eine komplett aus Aluminium gefertigte Karosserie geht Jaguar den gleichen Weg wie Audi beim A8 – allerdings mit einer völlig anderen Technik. Denn statt auf einen Rahmen (Space Frame) setzt Jaguar auf die klassische Bauweise mit einer selbsttragenden Karosserie. Und die wird zusammengehalten mit 3180 Schlagnieten und 120 Meter Klebenähten, die beim Lackieren der Karosserie aushärten – das ist modernste Raumfahrt- und Flugzeugbautechnik. Das Ergebnis: die XJ-Karosserie ist gut 40 Prozent leichter und zugleich 60 Prozent steifer als die Stahlkonstruktion und trotz ihres geringen Gewichts extrem crashsicher. Leer gerade noch 1545 Kilogramm wiegt der XJ6 – glatte 255 Kilo weniger als die leichteste S-Klasse. Und das findet natürlich seinen Niederschlag beim Fahrverhalten und den Fahrleistungen.

Mit einem so leichten Auto war der Weg frei für ein Comeback des XJ6, dem der Dreiliter-V6-Motor mit 175 kW zu überzeugenden Fahrleistungen verhilft: 8,1 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 233 km/h bei einem Durchschnittsverbrauch von 10,5 l/100 km. Die anderen drei Triebwerke sind V8-Motoren – der aus dem 3,2-Liter entwickelte 3,5-Liter mit 190 kW (258 PS), der Tempo 100 binnen 7,6 Sekunden und 242 km/h erreicht, der bereits im S-Type und XK eingesetzte 4,2-Liter mit 219 kW (298 PS), der binnen 6,6 Sekunden auf Tempo 100 spurtet und bei 250 km/h abregelt und dessen mit Kompressor aufgeladene Variante mit 291 kW (395 PS) und einem höchsten Drehmoment von 541 Nm, die den XJ8 4.2 Kompressor zum Hochleistungssportler macht, der binnen 5,3 Sekunden Tempo 100 erreicht – bei vergleichsweise bescheidenen Verbrauchswerten von 12,3 l/100 km.

Beeindruckende Fahrleistungen, die der neue XJ mit einer Souveränität und Kultiviertheit bringt, die Oberklasse-Ansprüchen vollauf gerecht werden. Das gilt auch für die neue Sechsgang-Automatik von ZF, die ihr Debüt im neuen 7er von BMW erlebte und längst einen Siegeszug in der Oberklasse vollzieht. Und das gilt noch mehr für das Fahrverhalten des neuen XJ, der trotz seiner respektablen Abmessungen ein überraschend agiles Auto ist. Das gilt für flotte Fahrten über kurvige Landstraßen im flachen Land und im Gebirge ebenso wie für die große Handlichkeit des XJ im Verkehrsgewühl der Städte.

Viele Pluspunkte verdient sich das ebenso wie die Karosserie aus Leichtbauwerkstoffen gefertigte Fahrwerk schließlich bei Federung und Dämpfung. Hier setzt Jaguar für alle XJ-Versionen auf eine hochmoderne Luftfederung mit adaptiven elektronisch geregelten Zweistufen-Dämpfern – eine Kombination, die dank der Adaptiven Fahrwerksregelung (CATS) für überzeugenden Fahrkomfort unter allen Bedingungen und ein unproblematisches und sicheres Fahrverhalten sorgt, auch wenn man den XJ betont sportlich bewegt. Und in Extremsituationen greifen moderne Assistenzsysteme wie die Fahrdynamikregelung DSC (Dynamische Stabililtätskontrolle) und beim Bremsen das ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent ein. Hilfreich beim Abstellen ist die automatische elektronische Parkbremse und bei langen Autobahnfahrten die Adaptive Geschwindigkeitsregelung (ACC), die automatisch den nötigen Sicherheitsabstand einhält und bei Gefahr warnt.

Es gibt eigentlich keine moderne Technik, die im neuen XJ nicht verfügbar ist – als Serienausstattung oder als Sonderausstattung. Das gilt für die komplette Sicherheitsausstattung einschließlich A.R.T.S. (Adaptive Restraint Technology System) mit Front-, Seiten- und Windowairbags, das gilt aber auch für die hochwertige Informations- und Kommunikationstechnik, den 18 Zentimeter breiten LCD-Touchscreen-Monitor für die Bedienung von Klima, Audio, DVD-Navigation und Telefon, die sich mit JaguarVoice auch sprachgesteuert bedienen lassen. Und alle Technik ist auch ohne Computerkenntnisse problemlos bedienbar. Ein auch qualitativ rundum überzeugendes Oberklasseauto, das – auch das ist alte Jaguar-Tradition – Spitzentechnik zu durchaus attraktiven Preisen bietet. Sie beginnen bereits bei 59 900 Euro. Ein neuer XJ, der geradezu auf Erfolg programmiert ist.

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