Schule : Je oller, je doller

Kfz-Meister Lundt zeigt in Paaren alte Porsche

Thomas Loy

Im Keller liegt der Operationstrakt für die schweren Fälle. Ausgewaidete Blechkörper, vor den Blicken Unbefugter durch Planen geschützt. Der gelbe 911er ist vorne ramponiert, der Lack geschwärzt. Reifen und Motor fehlen. Sieht aus wie ein erloschener Traum vom Autofahren.

Dabei hat dieser Traum noch gar nicht richtig begonnen. Der 911er, Baujahr 1973, war ursprünglich metallicgrün lackiert. Auch die Seitenbleche hatten früher eine strengere Form. Nicht so stark gewölbt. So steht es in der Geburtsurkunde, die Thomas Lundt, der Autorestaurator, im Porsche-Werk angefordert hat. Im Herbst wird der 911er wieder aussehen wie vor 33 Jahren, als er zum ersten Mal Asphalt berührte.

Ein Porsche ist wie ein Kunstwerk, das in limitierter Auflage herausgegeben wurde. Einige Modellreihen existierten nur ein paar Jahre. Kunstwerke verlieren nicht an Wert, deshalb lohnt es sich fast immer, einen Porsche aufzuarbeiten. Der 911er im Keller von Lundts Werkstatt in Zehlendorf wird nach dem Unfall mehr wert sein als vorher. So um die 70 000 Euro, schätzt der Kfz-Meister. 30 000 Euro kostet die Rekonstruktion.

Thomas Lundt, Chef der Berliner Kfz-Innung, hat sich mit Porsche einen Namen gemacht, ohne an Porsche gebunden zu sein. Seine freie Werkstatt floriert im Windschatten der Porsche-Renaissance in den 90er Jahren. 1100 Kunden sind in der Kartei. Die Aufträge reichen bis weit ins nächste Jahr. Spezialgebiet sind Porsche-Autos jenseits der Oldtimer-Grenze von 25 Jahren.

Betrachtet man das Äußere – die auseinander stiebenden Haare und die Bartstoppelhaut – würde Lundt besser in einen Landrover passen. Hinter den hochglänzenden Außenflächen seiner Autos sitzen aber keinesfalls nur braungebrannte Partylöwen in Boss-Anzügen. „Polizisten, Lehrer, Familienväter, Leute aus allen Schichten“ zählt Lundt zu seinen Kunden. Einen Porsche zu fahren, bedeute nicht unbedingt, vermögend zu sein: „Es kommen auch Studenten.“ Viele Porsche-Fahrer arbeiten in der Musik-, Medien- und IT-Branche – und da bürgt ein Porsche derzeit für guten Geschmack.

Ein Oldtimer ist auf jeden Fall billiger zu haben als ein neuer Porsche. Bei Lundt stehen instandgesetzte Sportwagen ab 7000 Euro auf dem Hof. Das sind die kantigen 924-Modelle mit leicht prolligen Scheinwerfern zum Einklappen. Für solvente Sammler völlig uninteressant.

Echte Habgier kommt hingegen bei dem „Speedster“ auf, einem Cabriolet mit langer, sanft gewellter Motorhaube in Silbergrau und süßen kleinen Blinkerkappen in Orange. Sieht aus wie neu, ist aber 51 Jahre alt. Karosseriebauer Robert Brenner alias „Der Lange“ klopft auf dem defekten Türschloss herum. Innerlich kämpft er mit einem akuten Neidanfall. „Sollte meins sein.“ Wie die meisten Kollegen fährt er selbst Porsche und hat ein paar Unfallwagen in einer Scheune stehen. Am Wochenende braucht man schließlich auch was zum Schrauben.

Der Speedster, Sammlerwert rund 140 000, ist Spielzeug und Vermögensanlage. Es ist die Abwesenheit von elektronischen Hilfen, Rundumbeschallung und Reglerkonsolen, die das Auto zu einem Ereignis macht. Ein Zug am perlmuttfarbenen Stift startet die winzigen Scheibenwischer, ein Schubs am Hebel setzt den Blinker in Gang. Mehr gibt es nicht zu tun.

Als alles erzählt ist über Autos und die Firma, wird Lundt vertraulich. Und sagt, was ein 52-jähriger Innungs-Obermeister und Familienvater normalerweise für sich behält. „Es geht eigentlich um Spaß. Wir handeln nur mit Emotionen.“ Es gebe ein paar vernünftige Gründe, Porsche zu fahren. „Und 1000 unvernünftige.“

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