Schule : Jedes siebte Auto fährt mit defekten Stoßdämpfern

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Mehr als 14 000 Autos nahmen 2002 an der inzwischen 7. StoßdämpferSicherheitsaktion bei den Prüfstationen von TÜV, Dekra und dem ADAC Berlin/Brandenburg teil. Jetzt liegt das Ergebnis vor – und das macht nachdenklich. Denn bei 14,8 Prozent aller überprüften Autos fand man mindestens einen Stoßdämpfer, dessen Wirkung bereits unter 20 Prozent lag. Das bedeutet hochgerechnet, dass auf unseren Straßen zwischen fünf und sechs Millionen Personenwagen mit defekten Dämpfern unterwegs sind oder anders ausgedrückt, dass von sieben Fahrzeugen eines defekte Dämpfer hat – ein enormes Sicherheitsrisiko. Denn diese Fahrzeuge haben nicht mehr in jeder Fahrsituation optimalen Kontakt zur Fahrbahn, weil bei Fahrbahnunebenheiten die Räder mit defekten Dämpfern springen und tanzen. Das Ergebnis sind verlängerte Bremswege, eine erhöhte Aquaplaning-Gefahr, ein instabiles Fahrverhalten insbesondere in Kurven und eine verminderte Wirkung von elektronischen Assistenzsystemen wie ABS und ESP.

Denn kürzere Bremswege dank moderner Antiblockiersysteme und Fahrdynamikregelungen setzen voraus, dass der Kontakt zwischen Reifen und Fahrbahn optimiert wird. Doch nur Räder, die ständig Kontakt zur Fahrbahn haben, können Bremskräfte ebenso wie Lenkkräfte optimal übertragen und dafür sorgen, dass ein Auto stets die Richtung einschlägt, die dessen Lenker mit dem Lenkeinschlag vorgibt. Verlieren die Räder, aus welchen Gründen auch immer, den Kontakt zur Fahrbahn, dann entwickelt das Fahrzeug schnell ein unkontrolliertes Eigenleben, bei dem es für seinen Lenker nur noch schwer oder gar nicht mehr beherrschbar ist. Wie schnell es zu solchen Situationen kommt, wird von vielen Autofahrern immer wieder unterschätzt. Denn sonst würden sie nicht so stiefmütterlich mit jenen Bauteilen umgehen, die für guten Fahrbahnkontakt sorgen – den Stoßdämpfern.

Einer der Gründe für solche Nachlässigkeit liegt sicher darin, dass man die Stoßdämpfer normalerweise nicht zu Gesicht bekommt. Denn sie verrichten ihre Arbeit unter der Karosserie und damit den Blicken entzogen. Deshalb bleibt es dem Auge normalerweise auch verborgen, wie diese Dämpfer im Laufe des Autolebens verschleißen – denn sie sind nun einmal Verschleißteile. Allerdings lässt ihre Wirkung normalerweise ganz kontinuierlich nach – und ebenso kontinuierlich passt man sich als Fahrzeuglenker daran an. So merkt man beim normalen Umgang mit dem Auto kaum, wie die Dämpfer immer schlechter und das damit verbundene Risiko für die Fahrstabilität immer größer wird.

Besonders schlimm ist, dass man sich bei defekten Dämpfern auch nicht mehr darauf verlassen kann, dass das ABS und die Fahrdynamikregelungen wie ESP, VCD (Alfa) oder DSC (BMW), voLl wirksam bleiben. So zeigten Tests auf einem italienischen Reifentestgelände, dass Stoßdämpfer mir nur noch 50 Prozent Wirkung zu erheblich längeren Bremswegen führen und vor allem auch die ESP-Wirkung vermindern. So wurde bei einer Gefahrenbremsung aus Tempo 80 ein Bremsweg von 30,3 Meter erreicht. Mit Dämpfern mit nur noch 50 Prozent Wirkung verlängerte der sich um 6,1 Meter auf 36,4 Meter – das kann im Falle eines Falles einen Totalschaden und auch schwerste Verletzungen bedeuten. ivd

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