Job-Vorbilder : Beruferaten mit dem Perspektivgeber

Berufsvorbilder für Einwandererkinder sind an 15 Schulen unterwegs. Die Schüler sollen raten, was der Beruf der sogennanten Perspektivgeber ist und können ihnen dann Fragen dazu stellen.

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Berufswahl ganz konkret. Bahn-Manager Robindro Ullah erklärt den Schülern der Löwenzahl-Grundschule in Neukölln seinen Job.
Berufswahl ganz konkret. Bahn-Manager Robindro Ullah erklärt den Schülern der Löwenzahl-Grundschule in Neukölln seinen Job.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Er könnte aus Spanien kommen, aus Brasilien oder Ghana. Er könnte Hotelchef sein, Anwalt oder Reporter. Aber woher kommt er und was ist er wirklich?

Was den Fünftklässlern der Neuköllner Löwenzahl-Grundschule zur Person Robindro Ullahs einfällt, der da vor ihnen steht, ist vielfältig. Schließlich löst Ullah das Rätsel: Er arbeitet bei der Deutschen Bahn, und sein Vater kommt aus Bangladesch. Damit hat Ullah schon etwas mit den meisten Schülern hier gemeinsam: Migrationshintergrund.

Auch deshalb ist er heute als sogenannter Perspektivengeber in der Löwenzahl-Schule: Er erzählt von sich und seinem Werdegang und erklärt, was seinen Job ausmacht. „Vielen Kindern hier fehlen von klein auf positive Berufsvorbilder“, sagt Schulleiterin Utta Hoppe. Rund 90 Prozent der Schüler kommen aus Einwandererfamilien, etwa 80 Prozent sind lernmittelbefreit, die Eltern bekommen Hartz IV. Manche, sagt Hoppe, stehen morgens nicht mal mit auf. Dass einer da ist, der zeigt, was möglich ist, kommt selten vor.

Den gesamten November über sind jedoch 35 solcher Perspektivengeber wie Ullah an 15 Schulen und in jeweils bis zu fünf Klassen unterwegs, insbesondere in Neukölln, Moabit und Wedding. Sie sind Manager, Art-Direktoren, Anwälte oder Schauspieler – und mindestens ein Elternteil von ihnen kommt aus Brasilien, Palästina, Ghana oder der Türkei.

Ins Leben gerufen hat die Aktion der Verein „Perspektiventag“. Der ging letztes Jahr aus einer Veranstaltung des Beratergremiums „Berlin Board“ des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit hervor, bei der es darum ging, kreative Ideen für die Zukunft der Stadt zu entwickeln. Acht Vereinsmitglieder fanden sich damals, die die Idee zum „Perspektiventag“ entwickelten, Wowereit übernahm die Schirmherrschaft. Nach einem Jahr Vorbereitung fiel nun der Startschuss.

„Das Projekt wurde fast enthusiastisch angenommen“, sagt Vereinsmitglied Connie Voigt: Ursprünglich war ein Tag geplant, dann wurde eine Woche daraus, schließlich ein Monat. Die Arbeit für den Verein erledigt Voigt ehrenamtlich – wie alle Mitglieder und Perspektivengeber.

Ullah ist derweil überrascht, wie viel Begeisterung und Interesse ihm aus der Klasse entgegengebracht werden. Die Finger gehen immer wieder in die Luft, unzählige Fragen sind zu beantworten. Die elf Jahre alte Fatma etwa hat sich alles genau gemerkt: Am Beispiel des Kinderzimmeraufräumens kann sie jetzt genau erklären, was „Logistik“ bedeutet. Auch der zehnjährige Muhammed kann sich nach der Stunde mit Ullah vorstellen, wozu Mathematik im wirklichen Leben gut sein soll – Ullah hat Mathe studiert und etwa die Fahrpläne der Bahn berechnet.

Der Perspektiventag soll künftig regelmäßig statt finden. Bis dahin sind die Kinder der Löwenzahl-Schule vielleicht schon um eine weitere Erfahrung reicher: Ullah hat sie zu einer Führung bei der Bahn eingeladen.

www.perspektiventag.org

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