Jürgen Zöllner : Der Schulsenator weckt große Erwartungen

Jürgen Zöllner will nach der Sommerpause ein umfassendes Qualitätspaket vorlegen. Schulen und Kitas sind sich einig: Anfangen sollte der Senator bei der rechtzeitigen und ausreichenden Bereitstellung des Personals.

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Zoellner
Bildungssenator Jürgen Zöllner -Foto: Mike Wolff

Die Erwartungen an das von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) angekündigte „Qualitätspaket“ für Berlins Schulen sind groß. Nach dem abermals schlechten Abschneiden bei einer bundesweiten Vergleichsstudie, die den Neuntklässlern Berlins und Bremens die bundesweit schlechtesten Deutschkenntnisse attestierte, hatte Zöllner am Mittwoch Nachbesserungen für alle Bildungsbereiche von der Kita bis zur Schulaufsicht angekündigt. Einzelheiten zu den Plänen sollen erst nach den Sommerferien bekannt gegeben werden.

Schulen und Kitas sind sich einig: Anfangen sollte der Senator bei der rechtzeitigen und ausreichenden Bereitstellung des Personals. Zöllner sieht das auch so. Jedenfalls hat er in Aussicht gestellt, dass die Schulen nächstes Jahr schon im Frühjahr wissen sollen, wie viele Lehrer ihnen zustehen. Bisher dauert das bis zum Frühsommer, weil die Verwaltung den Prognosen der Schulen nicht traut und wartet, bis endgültige Schülerzahlen vorliegen. In der Praxis führt das dazu, dass viele Schulen noch jetzt – Ende Juni – nicht wissen, mit wie vielen Lehrern sie das neue Schuljahr planen können.

Fachleute stimmen auch darin überein, dass Berlin seinen größten Nachteil im Wettbewerb mit anderen Bundesländern – die Nichtverbeamtung von Lehrern – nur durch sehr frühe Einstellungszusagen ansatzweise ausgleichen kann. Vielerorts tun sich Lücken auf. Eltern berichten zudem von fehlenden Sonderpädagogen. Es sei völlig unklar, wie sich die Qualität der Schulen verbessern könne, wenn Integrationskinder ohne Zusatzpersonal in den Klassen säßen. Das schade allen.

Die schlechten Ergebnisse der aktuellen Studie sind vor allem deshalb brisant, weil Zöllner kaum Optimismus in Bezug auf die nachfolgenden Jahrgänge verbreiten kann. Denn es gibt bisher wenig Anhaltspunkte dafür, dass die vielen Reformen der vergangenen Jahre (siehe Beitrag rechts) die gewünschten Erfolge haben. Dies hat auch die jüngste Debatte um die Leistungsfähigkeit der Schulanfänger gezeigt: Die Grundschulen beklagen, dass sie aus den Kitas schlecht vorbereitete Kinder bekommen, und begründen damit die hohe Quote von Wiederholern in der Schulanfangsphase sowie die schlechten Ergebnisse bei Vergleichstests. Zöllner hat deshalb angekündigt, dass er die Einhaltung des Kita-Bildungsprogramms künftig mehr kontrollieren will.

Neuköllns Bildungsstadtrat Wolfgang Schimmang (SPD) hält das für nicht ausreichend. Er plädiert für die sofortige Wiedereinführung der Vorklassen der Grundschulen. Die Vorstellung der Bildungsverwaltung, dass Kitas die Kinder genauso gut auf die Einschulung vorbereiten könnten wie die vor fünf Jahren abgewickelten Vorklassen, sei eine „Lebenslüge“, empört sich Schimmang.

Zöllner will weder die Vorklassen zurück an die Schulen holen noch das Einschulungsalter verändern. Er hat lediglich die Rückstellung unreifer Kinder von der Schulpflicht erleichtert. Allerdings sagen die Schulen, das immer noch zu viele Kinder aufgenommen werden müssen, die vom Schulalltag überfordert seien. Die Opposition fordert deshalb mehr Spielraum bei den Rückstellungen.

Wenn die Grundschulrektoren das Qualitätspaket schnüren könnten, wären dort kleine Klassen für kleine Kinder enthalten. Anders sei die Sprachförderung nicht zu schaffen. Außerdem wäre immer ein Erzieher dabei, um den verhaltensauffälligen Schülern gerecht zu werden. Der Bildungssenator aber kann diese Erwartungen nicht erfüllen: Die Stellen für die Förderung von Kindern mit Behinderung oder Deutschdefiziten sind „gedeckelt“: Mehr bekommt Zöllner nicht – da ist der Finanzsenator vor. Er kann nur versuchen, das Vorhandene optimal zu verteilen. Dazu aber braucht Zöllner flexible Schulleiter. Wenn Eltern ein Qualitätspaket schnüren könnten, dann würden unfähige Schulleiter andere Aufgaben übernehmen. Zumindest dann, wenn sie bei der Schulinspektion durchfallen.

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