Jürgen Zöllner : "Es wird keine Notbremse gezogen"

Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner spricht mit dem Tagesspiegel über das jahrgangsübergreifende Lernen und nicht gezogene Notbremsen.

Foto: Mike Wolff
Foto: Mike Wolff

Schulen können die Jahrgangsmischung künftig durch andere Konzept ersetzen. Warum erst jetzt?

Ich habe mich seit meinem Amtsantritt dafür eingesetzt, dass das jahrgangsübergreifende Lernen bestimmte Rahmenbedingungen vor Ort benötigt, um erfolgreich durchgeführt zu werden. Einen Stichtag für die Umsetzung gab es bei mir nicht.

Bereuen Sie, dass sie nicht schon bei Ihrem Amtsantritt die Notbremse in Sachen „JüL“ gezogen haben?

Ich möchte ausdrücklich betonen, dass hier keine Notbremse gezogen wird. JüL bleibt nach wie vor die Regelform der Schulanfangsphase. Daran werde ich auch nicht rütteln. Nur gibt es besondere Situationen, die es im Einzelfall notwendig erscheinen lassen, über alternative Konzepte nachzudenken. Deswegen habe ich Bedingungen festgelegt, unter denen vom jahrgangsübergreifenden Lernen in der Schulanfangsphase abgewichen werden kann.

Wie viele Schulen werden jetzt Anträge stellen, auf JüL zu verzichten?

Darauf haben wir keine Hinweise. Ich gehe davon aus, dass JüL eine breite Akzeptanz hat, aber es gibt Einzelfälle, in denen Schulen mit einem anderen pädagogischen Konzept besser fördern wollen.

Und wenn die Hälfte so entscheidet?

Bei der großen Akzeptanz von JüL ist dies reine Theorie.

Was sagen die Schulfachleute von SPD und Linkspartei, die sich ja unter Klaus Böger für JüL entschieden hatten?

Ich bin auch sehr für JüL, aber es kann Bedingungen geben, die dafür sprechen, die Jahrgangsmischung aufzugeben oder gar nicht erst einzuführen. Jeder weiß, dass auch das beste Konzept nicht für alle Situationen gleichermaßen geeignet ist.

Kann die neue Freiheit schon ab Februar 2011 greifen?
Nein, erst ab dem Schuljahr 2012/13. Zum einen kann ich nicht davon ausgehen, dass die Schulen in kurzer Zeit ein methodisch-didaktisches Konzept erarbeiten; zum anderen haben die Eltern ihre Kinder schon an den Grundschulen angemeldet. Erst Mitte nächsten Jahres erhalten wir die wissenschaftlichen Kriterien. An diesen Eckpunkten werde ich auch die Konzepte überprüfen lassen, die jahrgangsbezogenes Lernen vorsehen. Mir geht es um die qualitative Sicherstellung der Ziele unserer Schulanfangsphase.

Die Fragen stellte Susanne Vieth-Entus

Jürgen Zöllner ist Senator für Bildung, Wissenschaft und Forschung in Berlin. Der 65-Jährige SPD-Politiker trat im November 2006 seinen Job an.

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