Jugend debattiert : Um keine Antwort verlegen

Einer der Bundessieger im Wettbewerb "Jugend debattiert" kommt aus Berlin: Alexander Schwennicke vom Evangelischen Gymnasium zum Grauen Kloster. Das Diskutieren liegt bei dem 16-Jährigen in der Familie.

Franziska Felber
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Hat es ihn nervös gemacht, vor Christian Wulff zu debattieren? Nein, sagt Alexander Schwennicke: „Es war zweitrangig, dass einer dieser 800 Leute der Bundespräsident ist.“ Im Bundesfinale des Schülerwettbewerbs „Jugend debattiert“ diskutierte der Berliner die Frage, ob in Deutschland ein muslimischer Feiertag eingeführt werden soll. Der 16-Jährige argumentierte dafür. Am Ende überreichte Wulff ihm die Urkunde für den besten Debattierer seiner Altersstufe.

Das Debattieren liegt bei Alexander Schwennicke in der Familie. Noch im Regionalwettbewerb trat er gegen seinen Zwillingsbruder Daniel an – das Evangelische Gymnasium zum Grauen Kloster hatte sie beide ins Rennen geschickt. Es habe keinen Konkurrenzkampf zwischen ihnen gegeben, sagt Alexander. Nach seinem Ausscheiden half Daniel ihm bei der Vorbereitung zu den weiteren Runden.

Die Vorbereitung ist der Schlüssel zu einer guten Debatte, davon ist Alexander überzeugt. Dabei hilft ihm auch das Internet: „Ich liebe Wikipedia für eine erste Klärung des Sachverhalts.“ Dann steige er tiefer in die Materie ein. Zuletzt redet er mit so vielen Leuten wie möglich über das Thema. Da hielt die ganze Familie her: „Beim Abendessen mussten sie zum Beispiel mit mir über Präimplantationsdiagnostik sprechen“, sagt Alexander. Oft saß er auch mit den anderen drei Berlinern zusammen, die am Bundesfinale teilgenommen haben – darunter Nella Sayatz, die in der jüngsten Altersgruppe den zweiten Platz belegt hat.

Nicht nur auf Deutsch kann der 16-Jährige diskutieren. Seine Mutter kommt aus Amerika, die Zwillinge und ihr ein Jahr jüngerer Bruder sind zweisprachig aufgewachsen. Alexander lernt außerdem Französisch, und in der 10. Klasse verbrachte er ein halbes Jahr in Italien. Latein und Altgriechisch sind seine Leistungskurse. Weil Sprache nicht alles ist, spielt er Cello und Klavier – auch das meisterhaft: Mit seinen Brüdern war er in diesem Jahr im Landeswettbewerb von „Jugend musiziert“ dabei. Als „sportlichen Gegenpol“ betreibt er seit vier Jahren Jiu-Jitsu.

Jetzt wird Alexander oft gefragt, ob er Politiker werden möchte. Er zweifelt: „Bundestagsdebatten sind so ausufernd, da finde ich die Debatten bei ,Jugend debattiert‘ mit 24 Minuten viel charmanter.“ Nach dem Abitur will er studieren. Jura käme infrage, aber das sei „halt nicht so originell“. Altertumswissenschaften reizen ihn auch. Vielleicht geht er nach England, dort vereint das Fach „Classics“ mehrere Richtungen der Altertumsforschung. Noch ein Argument spreche für die Insel: „Dort hat Debattieren eine lange Tradition.“ Franziska Felber

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