Jugendliche und Alkohol : Schwips unter Aufsicht

Bei einem Brandenburger Präventionsprojekt dürfen Schüler unter Aufsicht Alkohol trinken. Jetzt wollten sich Steglitzer Eltern über das Projekt informieren. Der Berliner Senat ist dagegen.

Anja Brandt
Wer über 18 ist, darf bei dem Projekt auch ein Glas Wodka trinken.
Wer über 18 ist, darf bei dem Projekt auch ein Glas Wodka trinken.Foto: dpa

Für die 14- und 15-Jährigen gibt es ein bis zwei „Trinkeinheiten“ – ein bis zwei Flaschen Bier oder Gläser Wein also – und für die 16- und 17-Jährigen zwei bis drei Gläser. Wer 18 und älter ist, darf sich auch ein Glas Wodka genehmigen. Auf jeden Fall soll Alkohol fließen, ganz offiziell, und das ruft Kritiker auf den Plan.

Streitthema ist das Brandenburger Projekt „Lieber schlau als blau“, dessen zentraler Bestandteil ein sogenannter Trinkworkshop ist. Hier sollen die Jugendlichen Alkohol im – laut Konzept – „risikoarmen Bereich“ trinken. Unter pädagogischer Aufsicht, mit Vorbesprechung und Auswertung – und nur, wenn die Eltern dem Projekt zugestimmt haben.

Das Programm der Salus Reha-Klinik für Suchtkrankheiten in Lindow, das das Brandenburger Gesundheitsministerium in Auftrag gegeben hatte, läuft seit dem Herbst 2008 in einigen Landkreisen Brandenburgs und in Potsdam. Adressaten sind Schulen und Freizeiteinrichtungen. In Berlin war das Projekt bisher kein Thema – bis der Bezirkselternausschuss (BEA) Steglitz-Zehlendorf davon hörte und für Mittwochabend eine Informationsveranstaltung organisierte. Eingeladen hatte der BEA auch Johannes Lindenmeyer, den Direktor der Salus Klinik. Daraufhin bat die Berliner Bildungsverwaltung die Organisatoren, „dem Projekt keinen Raum zu geben“. Es hebele die Zielsetzung der Berliner Suchtprävention aus, den Beginn des Alkoholkonsums so weit wie möglich hinauszuschieben. Der Senat habe sogar gefordert, Lindenmeyer wieder auszuladen, heißt es im BEA.

Petra Samani, stellvertretende BEA-Vorsitzende, sagt: „Wir finden den Ansatz des Programms ungewöhnlich und wollen uns einfach nur informieren.“ Dass die Senatsverwaltung derartigen Druck ausübe, und das Programm nicht einmal angeschaut werden dürfe, findet Samani haarsträubend. Martin Sand von der Bildungsverwaltung erklärt: „Es muss darum gehen, Jugendliche vom Alkoholkonsum abzuhalten.“ Es könne nicht sein, dass die Schule als solche das Alkoholtrinken ermögliche. „Es gibt genug andere Projekte, die Jugendlichen die Probleme von Alkoholkonsum aufzeigen, ohne dass sie ihn ausprobieren müssen“, findet Sand.

Ziel des Programms „Lieber schlau als blau“ sei es, Jugendlichen einen genussorientierten und verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol beizubringen, in dem sie weder sich noch andere gefährdeten, betont Simone Schramm von der Salus Klinik. „Wir wünschen uns auch, dass Jugendliche später anfangen, Alkohol zu trinken.“ Die Realität sehe aber anders aus, und es sei wichtig, den richtigen Zeitpunkt für Prävention nicht zu verpassen. Das findet auch der BEA. Und so fand die Informationsveranstaltung trotzdem statt – mit Lindenmeyer.

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