Jungunternehmer im Klassenzimmer : Döner essen ohne Kleckern

Schüler begeistern sich immer mehr für Wirtschaftsthemen. Beim Wettbewerb Business@School können sie zeigen, was sie können. Das Hildegard-Wegscheider-Gymnasium überzeugte mit dem Konzept für eine Döner-Esshilfe.

Daniela Martens
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Der Prototyp ist schon ziemlich zerknickt. Tim Hellfeuer dreht ihn in den Händen herum – ein weißes Pappschiffchen, das eher unspektakulär aussieht. Aber mit der gefalteten Pappe haben Tim und fünf seiner Mitschüler vom Hildegard-Wegscheider-Gymnasium in Grunewald viel über Wirtschaft gelernt. Das Schiffchen ist ein „Dönerhalter“ – ihre Geschäftsidee für den Wettbewerb Business@School. Um es zu vermarkten, haben sie die Healo-GmbH gegründet.

Nun ja, zumindest existiert die Firma in ihren Computern – samt Marktanalyse, Informationen zu Rechtsform, Steuern, Krediten und Unternehmensstrukturen. Ihre Powerpointpräsentation hat 30 Folien. Damit haben die 17- und 18-Jährigen gerade die Regionalentscheidung für Berlin und Sachsen des Wettbewerbs Business@School gewonnen. Vorher haben sie sich zehn Monate lang intensiv mit Wirtschaft beschäftigt, unter der Anleitung von Mitarbeitern der Beratungsfirma „The Boston Consulting Group“, die auch den Wettbewerb ausrichtet.

„Wir haben unheimlich viel Arbeit, Zeit und Nerven investiert“, sagt Tims „Mitunternehmerin“ Marlene Haas. „Und zwar ausschließlich in ihrer Freizeit“, sagt Jürgen Heesen anerkennend. Oft am Freitagnachmittag. Heesen, Lehrer für Politik, Deutsch und Geschichte an der Hildegard-Wegscheider-Schule, hat den Schülern das Projekt vorgeschlagen. „Mehr als 80 wollten zuerst mitmachen“, sagt er; 35 durften schließlich dabei sein: „Für die anderen war es eine herbe Enttäuschung“, sagt Heesen. Denn: „Das Interesse an Wirtschaft ist bei den Schülern in der letzten Zeit unglaublich groß geworden.“

Knapp 120 Schüler von fünf Berliner Schulen haben am Projekt als fleißige Unternehmensgründer teilgenommen: Das Georg-Herwegh-Gymnasium aus Hermsdorf ging mit einer besonderen Fahrradbeleuchtung ins Rennen. Das Schadow- Gymnasium aus Zehlendorf beteiligte sich mit einem leuchtenden Signalband für Radfahrer und Fußgänger. Die Schüler des Andreas-Gymnasiums in Friedrichshain erfanden einen Turnschuh, den man je nach Sportart verändern kann. Und Schüler der Luise-Henriette-Schule präsentierten ein System, mit dem man mithilfe des Handys und einer speziellen Software verlorene Besitztümer wiederfinden kann, wenn man sie vorher mit einem Sender versehen hat.

An dieser Schule gibt es noch ein weiteres Wirtschaftsprojekt: Die Schülerfirma „Be lightning“ verkauft im Internet Schnürsenkel, die im Dunklen leuchten. Damit nehmen sie am Programm „Junior – Schüler als Manager“ des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln teil – und sind gerade als beste Berliner ausgezeichnet worden. Drei weitere Berliner Schulen haben dieses Jahr mit Unterstützung des Instituts Schülerfirmen gegründet.

Die 35 Business@School-Teilnehmer von der Hildegard-Wegscheider-Schule sind also nicht die einzigen Nachwuchs-Wirtschaftstalente. An einem regnerischen Vormittag sitzen die meisten von ihnen ausnahmsweise in einem Klassenraum während der Unterrichtszeit zusammen. Die Schüler sind sich einig: Wirtschaft sei an der Schule ein besonders wichtiges Thema. „Man sollte Wirtschaft zum Pflichtfach machen“, sagt einer aus der letzten Reihe. „Damit man nicht einfach so ins Leben geschmissen wird“, sagt Marlene. „Wirtschaft ist die Grundlage für so viele andere Sachen im Leben“, sagt ihre Mitschülerin Charlotte. „Und jetzt, da die Finanzkrise ständig in den Medien ist, will ich doch die Hintergründe und Zusammenhänge besser verstehen“, fügt Katharina Lorenz – wie Marlene aus dem Siegerteam – hinzu.

Durch das Projekt hätten sie das endlich getan, sagen mehrere. „In der Theorie ist Wirtschaft ja oft trocken und langweilig“, sagt Marlene. „Aber bei dem Projekt war alles viel praktischer.“ Sie hätten vieles selbst bestimmen dürfen. Und zwar nicht nur bei den fiktiven Firmengründungen, sondern auch bei den vorbereitenden Aufgaben: Jede Gruppe analysierte zwei Unternehmen. Und versuchte sich sogar als Wirtschaftsberater. Dabei waren Tabea, Katja und Ada besonders gut: Sie berieten einen Bioladen, schlugen vor, Kochkurse in Kindergärten anzubieten und den Laden heller zu gestalten – beide Vorschläge setzte die Firma um.

Und der Dönerhalter von Tim, Marlene, Katharina und ihren „Mitunternehmern“ Anon Mall, Philipp von Hammerstein, Björn Jeschke? Sie hätten keine Pläne, ihre Geschäftsidee zu verwirklichen, sagen sie. Aber am 22. Juni wollen sie ihr „Unternehmen“ noch einmal kurz zum Leben erwecken: Da präsentieren sie es in München beim Europafinale. „Dafür basteln wir aber noch neue Prototypen“, sagt Tim. Daniela Martens

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