Schule : Kampf um die Schulcafés

Ehrenamtliche fürchten Konkurrenz der Caterer

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Gisela Pflug war schon bereit, auf die Barrikaden zu gehen. Die Schulleiterin des Hermann-Ehlers-Gymnasiums hatte wie alle Oberschulen und Gymnasien im Bezirk Steglitz-Zehlendorf ein Schreiben des Schulamts erhalten. Das stellte Pflug vor die Wahl: Entweder die ehrenamtlich betriebene Cafeteria würde künftig auch die Mensa mitbetreiben und sich warmes Essen von einer externen Firma zuliefern lassen – oder eine Fremdfirma würde den gesamten Betrieb übernehmen. Ab nächstem Schuljahr nämlich müssen Ganztagsschulen die Möglichkeit eines warmen Mittagessens bieten. Für viele in jahrelanger Arbeit aufgebaute ehrenamtlich betriebene Cafeterien hätte diese Arbeitsteilung das Aus bedeutet.

Im Café Millennium des Hermann-Ehlers-Gymnasiums verkaufen Eltern und Schüler Gebäck, Müsli, Croissants, Obst, Süßigkeiten oder Eis. „Die Zusammenarbeit hat über Jahre hinweg gut funktioniert“, sagt Pflug. „Und der Förderverein nimmt dadurch Geld ein, das in die Schule fließt.“ An vielen Schulen gibt es ähnlich gewachsene Strukturen.

Aufgrund der Proteste mehrerer Schulen relativierte der Bezirk seine Forderungen. „Ich schätze die ehrenamtlichen Initiativen“, sagt die zuständige Bezirksstadträtin Anke Otto (Grüne). Sie werde sich nicht in den Weg stellen, wenn Schulen ihre Cafeteria auf die gewohnte Weise weiter betreiben wollen. Dennoch glaubt sie, dass es auf lange Sicht zu Problemen kommen wird, wenn Cafeteria und Mensa nicht aus einer Hand betrieben werden. „Es entsteht sonst eine Konkurrenzsituation, gegen die Caterer nur schwer antreten können“, sagt die Schulstadträtin.

Das gelte vor allem für kleine Cateringbetriebe, sagt Klaus Kühne, Geschäftsführer des Caterers „3 Köche“. In der Gustav-Heinemann-Oberschule mit knapp 1500 Schülern verkaufe sein Unternehmen im Schnitt gerade mal 70 Mittagessen. Deswegen dürfe es nicht zusätzlich zu einer Konkurrenzsituation kommen, die „das unattraktive Schulessen nur noch unattraktiver macht“. Er wolle deswegen entweder alles übernehmen oder das Essen nur zuliefern – wie es der Bezirk ursprünglich forderte.

Probleme in anderen Bezirken sind dem Landeselternausschuss (Lea) derzeit noch nicht bekannt. Der stellvertretende Vorsitzende René Faccin glaubt jedoch, dass sich auf einer Informationsveranstaltung heute Abend im Roten Rathaus um 19 Uhr weitere Schulen melden werden. Die Senatsschulverwaltung machte auf Anfrage des Lea nämlich deutlich, „dass eine räumliche Zusammenfassung von Cafeteria- und Warmessen ebenso zwingend ist wie eine Bewirtschaftung aus einer Hand“. Sollte diese Forderung nun bindend werden, könnten die ehrenamtlichen Cafeterien doch bald vor dem Aus stehen. Anke Myrrhe

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