Klaus Böger : „Die Tradition soll weiterleben“

Klaus Böger, früher Berliner Bildungssenator, heute Chef dese Berliner Landessportbundes, spricht mit dem Tagesspiegel über die Kooperation von Schulen und Vereinen.

Foto: Mike Wolff
Foto: Mike Wolff

Herr Böger, geht den Vereinen durch die Ganztagsschule der Nachwuchs aus?

Diese Befürchtung gibt es, aber wir sehen eher die Chancen. Wir wollen den Vereinen helfen, sich in der Ganztagsschule mit Angeboten so zu platzieren, dass die Beziehung der Menschen zum Verein nicht verloren geht. Fast jeder zweite Jugendliche von sechs bis 16 Jahren ist in einem Verein. Das wollen wir halten.

Wo liegen dabei Chancen für die Vereine?

Vieles spricht künftig für den Multispartenverein mit einem breiten Angebot. Diese Vereine werden die größten Chancen haben, sich zu halten und die Zusammenarbeit zu den Ganztagsschulen aufzubauen.

Wie arbeiten Schulen und Vereine in Berlin bislang zusammen?

Momentan arbeiten 330 Schulen mit 210 Vereinen zusammen, ein Großteil davon sind Grundschulen. Am Donnerstag unterzeichnen wir einen Rahmenvertrag mit der Senatsbildungsverwaltung, mit dem wir die neuen Sekundarschulen, die Gemeinschaftsschulen und Ganztagsgymnasien ansprechen.

Was wird dabei geregelt?

Wir möchten mit unseren Übungsleitern in die Schulen gehen. Der Verein schließt mit der Schule einen Vertrag und der Übungsleiter, also etwa ein Student oder Freiberufler, bietet eine AG an. Übungsleiter müssen ein erweitertes Führungszeugnis zum Kinderschutz vorlegen. Doppelstunden werden vom Budget der Schulen an Grundschulen mit 13, an Sekundarschulen mit 27 Euro bezahlt.

Wie wollen Sie Schulen für diese Kooperationen gewinnen?

Momentan finden Informationsveranstaltungen des Senats in allen Bezirken statt, kooperieren müssen dann die Schulen und Vereine vor Ort. Wir sind optimistisch, dass das klappt und möchten möglichst viele Vereine und etwa die Hälfte der Schulen erreichen.

Wie reagieren die Schulen?

Wir können die Kooperationen nicht anordnen, wir können nur für sie werben. Sicher gibt es bei einigen Schulleitern eine gewisse reservierte Haltung gegenüber dem Sport. Aber ich bin davon überzeugt, dass die Schulleiter das Angebot als sehr gute Ergänzung erkennen.
Was halten Sie vom Modell von Alba?

Ich schätze deren Engagement sehr, sehe aber gegenwärtig nicht, wie das flächendeckend zu finanzieren ist. Ich glaube, wir werden in einer ferneren Zukunft auf etwas anderes stoßen: Auf Erzieher mit sportlichem Profil, mit einer Ausbildung, die sie im sportlichen und erzieherischen Bereich gleichermaßen qualifiziert.

Könnte es in Berlin künftig Schulsport-Teams wie die College-Mannschaften in den USA geben?

Ich schließe nicht aus, dass es künftig etwa Schulsportvereine geben wird. Aber es gibt auch ein Leben nach der Schule. Ich möchte eine so lange Tradition wie den Verein unbedingt beibehalten. Die Zukunft liegt in der Kooperation zwischen Schul- und Vereinssport – und nicht in nur einem von beiden.

Informationen zu den Kooperationen bei Andreas Dähn unter a.daehn@lsb-berlin.de

Klaus Böger, 64, war von 1999 bis 2006 Senator für Bildung, Jugend und Sport und ist heute Präsident des Berliner Landessportbunds. Mit ihm sprach Patricia Hecht.

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