Schule : Kleine Laster, die niemandem wehtun

Ingo von Dahlern

Drei, zwei, eins ... meins. Die Sonderangebote bei Discount XY, der Warenkorb beim Portal ABC – es kauft sich leicht mit ein paar Klicks im Internet. Immer mehr Menschen nutzen diese Möglichkeit, völlig unabhängig von Öffnungszeiten zu shoppen. Doch jeder Klick ist zugleich eine neue Herausforderung für eine stetig wachsende Zahl von Logistik-Spezialisten. Diese müssen nun dafür sorgen, dass die so bequem georderte Ware auch möglichst schnell an der Haustür eintrifft. Je mehr bestellt wird, desto mehr jener flotten Transporter von Kurier-, Express- und Paketdiensten (KEP) sind auf unseren Straßen unterwegs. Denn die Vehikel haben genau die richtige Größe, um tagtäglich immer mehr Waren direkt bei den Kunden anzuliefern.

Da überrascht es nicht, dass flinke Transporter verschiedener Dimensionen einen der Schwerpunkte bei der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover bilden. In diesem Jahr ist diese Fahrzeuggruppe besonders attraktiv: Denn selten war das Angebot auf der Messe so jung. Ob Volkswagen, Mercedes-Benz, Opel oder Ford, ob Fiat, Peugeot, Citroën, Renault – sie alle haben erst in diesem Jahr neue Generationen ihrer Transporter-Baureihen auf den Markt gebracht oder ihr Angebot erneuert. Wobei die hier vor allem eingesetzten Kastenwagen nur ein Segment im jeweiligen Angebot sind, denn daneben gibt es noch viele weitere Varianten für die unterschiedlichsten Transportaufgaben bei Handel, Handwerk und Gewerbe.

BRÜDER IM GEISTE: FIAT DUCATO,

CITROËN JUMPER UND PEUGEOT BOXER

Die jüngste Neuheit bei den Transportern kommt aus Italien: der neue Fiat Ducato. Das Modell ist nicht nur gewerblichen Nutzern gut bekannt, sondern auch vielen Reisemobilfahrer in Europa. Der frontgetriebene Ducato ist das beliebteste Basismodell für die rollenden Hotels. Seine Hauptrolle allerdings spielt er als Nutzfahrzeug in einer Fülle von Varianten. Das gilt für die drei Radstände, die vier Fahrzeuglängen, die drei Dachhöhen und die diversen Karosserievarianten. Äußerlich fällt die neue Generation durch eine völlig neue Optik auf. Das trifft sowohl für die markante Front mit dem großen Stoßfänger als auch die riesigen Spiegel und die großen Glasflächen zu. Neu ist auch die umfangreiche Komfort- und Sicherheitsausstattung mit bis zu sechs Airbags, dem ABS mit Bremsassistent, den Scheibenbremsen rundum und der Fahrdynamikregelung ESP. Und auch der neue Ducato zeigt wie seine Konkurrenten ausgeprägte personenwagenähnliche Fahreigenschaften. Er gehört darüber hinaus zu den klassischen Kooperationsmodellen. Im süditalienischen Werk Sevel rollen neben dem Ducato auch die beiden Transporter Peugeot Boxer und Citroën Jumper vom Band. Die sind echte Schwestermodelle – und so wird es nach bereits 2002 geschlossenen Verträgen auch bis 2017 bleiben. Das gilt übrigens auch für die Kooperation bei den kleineren Transportern und Vans.

NICHTS, WAS ES NICHT GIBT:

DER SPRINTER VON MERCEDES

Fast zeitgleich mit dem VW Crafter brachte Mercedes-Benz die neue Generation seines Sprinter auf den Markt. Trotz des unterschiedlichen Frontdesigns sind beide Fahrzeuge weitgehend identisch. Denn Sprinter und Crafter sind Schwestermodelle. Neben diversen Designelementen sind allerdings auch die Motoren unterschiedlich.

Die letzte Sprinter-Generation war ein Bestseller. In elf Jahren wurden 1,3 Millionen Stück gebaut. Bei Mercedes-Benz werden für die neue Generation ähnliche Zahlen erwartet. Grund dafür ist auch die Modellvielfalt. Drei Radstände, vier Längen, drei Dachhöhen, verschiedenen Karosserieformen (Kasten, Kombi, Pritsche, Doppelkabine), sechs Motoren mit verschiedenen Getrieben und die unterschiedlichen Gewichtsklassen sorgen dafür, dass es den Sprinter in 1000 Grundmodellen gibt. Dennoch reicht diese Vielfalt offenbar nicht, jeden speziellen Wunsch zu erfüllen: Mit „Van Solution“ bietet Mercedes zusätzlich ein neues Konzept aus einer Hand.

In puncto Ausstattung sind etwa elektrische Schiebetüren, das Zugangssystem Keyless Entry oder Bi-Xenon-Licht im Angebot. Premiere bei der IAA feiert ein Sprinter mit Allradantrieb. Alle Dieselmotoren verfügen über einen Partikelfilter. Die beiden Spitzentriebwerke sind ein Dreiliter-V6-CDI mit 135 kW und ein 3,5-l-V6-Benziner mit 190 kW (258 PS).

GUT FÜR SECHS GENERATIONEN:

DER TRANSIT VON FORD

Der Transit gehört nicht nur zu den ältesten, sondern auch den erfolgreichsten Baureihen auf dem Transportermarkt. Denn bereits vor 41 Jahren betrat er die Bühne – damals dem Zeitgeist entsprechend eckig, kantig und wenig komfortabel. 1984 setzte der Transit Zeichen. Denn als erster Transporter seiner Klasse verfügte er über einen direkt einspritzenden Dieselmotor. Der ließ mit seinem unüberhörbaren Nageln keinerlei Zweifel daran aufkommen, nach welchem Verbrennungsprinzip er arbeitete. Inzwischen sind die Diesel nicht nur in PKW, sondern auch bei den Transportern ausgesprochen leise. Die im April eingeführte neue Transit-Generation ist nun bereits die sechste. Geboten wird ein breites Spektrum an Karosserievarianten, Radständen, Fahrzeuglängen und Dachhöhen. Sieben, wahlweise front- oder heckgetriebene neue Motoren stehen bereit. Wie auch bei den anderen Herstellern dominieren die Selbstzünder. Ihr Leistungsspektrum reicht von 63 bis 103 kW (85 bis 140 PS), der einzige Benziner leistet 107 kW (145 PS). Neben dem Einsatz im gewerblichen Bereich spielt der Transit auch eine wichtige Rolle als Basisfahrzeug für Reisemobile. Hier bietet Ford mit seinem Nugget eine eigene Konstruktion an. Sonderwünsche wie spezielle Aufbauvarianten oder Sonderfarben erfüllt Fords SVO-Abteilung (Special Vehicle Operations).

NACH DER GRAUEN MAUS EIN

PARADIESVOGEL: DER VW CRAFTER

Bei Volkswagen hat der Begriff Transporter traditionell eine etwas andere Bedeutung – denn hier steht er seit einem halben Jahrhundert für eine viel kompaktere Fahrzeugklasse. Doch um diesen Transporter geht es diesmal nicht, sondern um den Nachfolger jenes Fahrzeugs in der Klasse um drei Tonnen, das bei VW bislang LT hieß: den Crafter, der im Frühjahr eingeführt wurde. Ein Transporter, der allein schon wegen seiner kraftvollen Optik auffällt. Verglichen mit ihm war der LT eine graue Maus. Entsprechend üppig kommt auch die Ausstattung der Fahrerkabine daher. Im Crafter präsentiert sie sich als hochkomfortabler Arbeitsplatz. Verblüffend für einen Transporter dieser Klasse ist auch die Sicherheitsausstattung. Neben dem Fahrerairbag per Serie gibt es auf Wunsch sowohl einen Beifahrerairbag als auch Kopf- und Seitenairbags. Die Fenster werden mit elektrischen Hebern bewegt, die Türen mit einer Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung ver- und entriegelt, die Lenksäule ist axial und vertikal einstellbar, und der Fahrersitz ist vielseitig verstellbar. Für die kraftvollen, modernen Turbodiesel in drei Leistungsstufen gibt es Rußpartikelfilter und neben einem Sechsgang-Schaltgetriebe auch eine automatisierte, Shiftmatic genannte Variante. Fahrverhalten und Fahrkomfort erinnern weitgehend an Personenkraftwagen. ABS und ESP gehören zur Serienausstattung.

MIT NEUEN DIESELN ZU NEUER STÄRKE:

OPEL VIVARO UND RENAULT TRAFIC

Auch der mit seinem markanten Design unübersehbare Renault Trafic ist längst ein Kooperationsprodukt. Bereits einige Jahre vor der Jahrtausendwende begann Renault bei Transportern eine enge Zusammenarbeit mit General Motors (GM). Ihr erstes Ergebnis war der Transporter Opel Arena, dessen Basis der damalige Renault Trafic war. Mit der neuen Trafic-Generation kam dann ein neuer Opel-Transporter – der Vivaro. So kehrte Opel durch die Kooperation mit Renault auf den Transportermarkt zurück. Dort war die Marke seit der Einstellung des Opel Blitz 1975 nicht mehr präsent. Die Lücke wurde bis 1987 durch den Bedford Lieferwagen der britischen GM-Tochter Vauxhall mit Opel-Markenzeichen noch überbrückt. Inzwischen gehört mit dem Vivaro ein Opel-Transporter längst wieder zum Straßenbild. Das aktuelle Modell hat all die Verbesserungen des neuen Trafic mitbekommen. Schwerpunkt ist ein neues Motorenprogramm. Die bisherigen 1,9-l-Turbodiesel wurden durch einen neuen Zweiliter mit moderner Piezo-Einspritzung abgelöst. Sie leisten 66 und 84 kW (90 und 114 PS). Jedoch nur der Top-Diesel 2.5 dCi mit 107 kW (146 PS) verfügt über einen Rußpartikelfilter. Für den Trafic gibt es inzwischen auch beim japanischen Allianz-Partner ein Schwestermodell. Bei Nissan tritt der Trafic mit einigen wenigen Designretuschen als Primastar an.

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