Kolumne : Kurz vor Acht: Eine Woche im Wechselbad

Berlins Schulen zu betrachten, kommt einem heiß-kalten Bad gleich: Immerzu wechseln Erfolgsnachrichten mit Horrorbotschaften.

Susanne Vieth-Entus

Berlins Schulen zu betrachten, kommt einem heiß-kalten Bad gleich: Immerzu wechseln Erfolgsnachrichten mit Horrorbotschaften. Das war auch vergangene Woche so: Da gab es zum Beispiel einen Regionalwettbewerb von Jugend forscht, an dem teilzunehmen die Anna-Siemsen- Hauptschule wagte – und gewann. Wir haben auf der Schulseite darüber berichtet, wie Lehrerin Regine Ewert ihre Schüler motivierte und es letztlich schaffte, dass einige bis zum Schluss durchhielten. Nun können sie sogar am Landesentscheid teilnehmen (siehe unten).

Auch am Wochenende gab es großartige Gelegenheiten, Berlins Schüler von ihrer besten Seite kennenzulernen: Bei der Mathematik- und Deutscholympiade überzeugten Dutzende Schüler durch Höchstleistungen.

Aber dann war da auch wieder das Gegenteil: Berliner Brennpunktschulen und die GEW sowie Migrantenverbände haben am Dienstag eine dramatische Bestandsaufnahme für die Grundschulen der Innenstadt abgeliefert, um zu zeigen, dass sie dringend mehr Personal brauchen. Sie sprechen von Kindern, die schlecht angezogen sind, die ohne Frühstück in die Schule kommen und nicht einmal die grundlegenden Kulturtechniken beherrschen. Die gegenüber Mitschülern und Lehrern gewalttätig sind, weil sie zu Hause keine andere Form der Konfliktbewältigung erlebt haben. Dazu passt, dass weiterhin rund 1300 Lehrer dauerkrank gemeldet sind. Am Donnerstag will die GEW deshalb einen Gesundheitstag abhalten.

Man weiß nach solchen gemischten Nachrichten nicht, wohin Berlins Schulen steuern. Man kann nur wünschen, dass sich Lehrer, Erzieher und Lesepaten dennoch nicht entmutigen lassen. sve

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