Kolumne : Kurz vor Acht: Ohne Plan ins zweite Halbjahr

Die Berliner Schulpolitik kann Eltern zur Verzweiflung treiben. Das zeigt das Beispiel einer achten Klasse an einem bürgerlichen Gymnasium.

Sigrid Kneist

BerlinEltern müssen kein Kind an einer der Problemschulen mit hohem Migrantenanteil haben, um an der Berliner Schulpolitik zu verzweifeln. Kurz vor den Zeugnissen und dem Beginn des zweiten Schulhalbjahres ist dort nämlich überhaupt nicht klar, wie dieses aussehen wird. Schon in den Wochen vorher fiel Unterricht aus; Lehrerwechsel sollen zwar theoretisch zum Halbjahr stattfinden, werden aber aus den unterschiedlichsten Gründen oft schon vorher vollzogen.

So gibt es Mathematikunterricht in diesen Wochen in der Klasse nicht. Der Lehrer hat aus Altersgründen die Schule verlassen. Dabei hätte es die Klasse sogar schlimmer treffen können. Der Pädagoge hat noch einige Wochen zusätzlich unterrichtet, obwohl er schon im Ruhestand war. Der Direktor bangt nun, ob er am leer gefegten Berliner Lehrermarkt Nachwuchs findet.

In Berlin laufen derzeit die sogenannten zentralen Lehrer-Castings für das zweite Halbjahr. Aus Hamburg hört man, dass dort bereits das kommende Schuljahr geplant wird. Und gerade die Hansestadt ist für viele junge Lehrer attraktiv, weil sie dort, anders als in Berlin, verbeamtet werden und einige hundert Euro mehr verdienen.

Der Matheunterricht ist aber nicht das einzige Problem unserer Beispielklasse. Auch die Geschichtslehrerin ist bereits gegangen; folglich fällt dieser Unterricht zurzeit ebenfalls aus. Die Lehrerin war über einen Vertretungspool gekommen und füllte nur vorübergehend die Lücke, die ein pensionierter Lehrer einige Wochen nach Schuljahresbeginn hinterließ. Für das zweite Halbjahr wird eine andere Lösung gefunden werden. Im vergangenen Schuljahr unterrichteten gleich eine knappe Handvoll Lehrer in der Klasse das vom Senat so propagierte Fach Ethik. In dreieinhalb Jahren Latein haben die Kinder etliche Pädagogen kennengelernt; eine beliebte Lehrerin musste die Schule ziehen lassen – ihr wurde in Hamburg mehr geboten.

Kontinuität im Unterricht ist in vielen Fächern für diese Klasse ein Fremdwort. Das liegt nicht daran, dass die Schule so unerträglich wäre – in vielen anderen Schulen sieht es ja nicht anders aus. Aber Berlin tut sich immer schwerer damit, seine Nachwuchslehrer in der Stadt zu halten. Der Senat muss sich dringend etwas einfallen lassen. 

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben