Kommentar : Aufklärung über sexuelle Vielfalt - je früher, desto besser

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Manche Frauen sind lesbisch. Es gibt schwule Türken und Menschen, die mit zwei Geschlechtern leben. Sollen Grundschüler darüber aufgeklärt werden? Das Schuljahr endete mit einer heiklen Diskussion über Orientierungen jenseits der Norm. Grund war die aktuelle Initiative „Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt“: Es gibt einen neuen Medienkoffer mit Unterrichtsmaterialien; gezielt soll auf die Fortbildung und Sensibilisierung der Lehrer gesetzt werden.

„Warum nicht“, „Aufklärung ja, aber mit Vorsicht“. Und: „Ich bin dagegen“, lauten die uneinheitlichen Leserkommentare auf unserer Homepage. Dabei gibt es eigentlich nichts zu diskutieren: Das Thema ist in den Rahmenlehrplänen für die Jahrgangsstufe drei längst festgelegt. „Sexualität und Geschlechterrollen: Hetero- und homosexuelle Lebensweisen“ heißt die Unterrichtseinheit. Bereits 2004 setzte der Senat auf eine vom Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg initiierte Kampagne, um für das Thema zu sensibilisieren: „Cigdem ist lesbisch, Vera auch.“

34 Prozent der Deutschen lehnen homosexuelle Menschen ab, heißt es auf der Homepage der Senatsverwaltung. Leser Stoic wäre froh gewesen, wenn er als Zehnjähriger etwas über das Thema erfahren hätte: „Das hätte mir Jahre an Selbstzweifeln bis hin zu Suizidgedanken erspart“, schreibt er auf tagesspiegel.de. Was gegen Vorurteile hilft? Über vielfältige Lebensweisen sprechen, um Klischees und Ängste aufzubrechen. Schließlich ist die sexuelle Identität fester Bestandteil eines Menschen und kein losgelöster Teil von ihm. Und da Kinder erfahrungsgemäß aufgeschlossener als Erwachsene und neugierig sind, sollte frühzeitig darüber gesprochen werden. Denn Vorurteile sind nicht angeboren, sondern anerzogen. Umso wichtiger, bereits im Kindesalter mit ihnen zu brechen – und dabei auch gleich die Eltern miteinzubeziehen.

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