Kommentar : Ideologie und Ideologen

Immerhin: Reinickendorfs Bildungsstadträtin Katrin-Schultze-Berndt stellte sich der Diskussion. Warum sie so vehement gegen die Gemeinschaftsschule ist, konnte die CDU-Politikern Lehrern und Eltern aber nicht begründen.

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Ein Wort konnte der Zuhörer schon nach kurzer Zeit nicht mehr hören, es heißt Ideologie und fiel in nahezu jedem Satz. Wer vergangene Woche in der Hannah-Höch-Grundschule im Märkischen Viertel die Podiumsdiskussion über die geplante Gemeinschaftsschule verfolgte, ertappte sich im Lauf des Abends immer wieder dabei, wie er zweifelnd den Kopf schütteln musste. Es war ja immerhin schon ein kleiner Fortschritt, dass diesmal alle Beteiligten beisammensaßen – und Bildungsstadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU) sich wenigstens die Mühe machte, Lehrern, Eltern und Schülern selbst zu erklären, warum sie so vehement dagegen ist, dass im Märkischen Viertel in einer Gemeinschaftsschule jahrgangsübergreifend miteinander gelernt wird.

Allein: Es brachte nichts. Außer dem wie ein Mantra vorgetragenen Bekenntnis Schultze-Berndts, die CDU sei eben prinzipiell gegen Gemeinschaftsschulen, hatte sie keine Argumente anzubieten – was Lehrer und Eltern im Publikum immer wütender machte. Alle Podiumsgäste (außer CDU-Bildungssprecher Sascha Steuer) appellierten, die Ideologie doch beiseitezulassen und „an die Kinder“ zu denken. Schultze-Berndt wiederum wies den Ideologie-Vorwurf zurück – es gehe schließlich um „Überzeugungen“. Nach zweieinhalb Stunden schienen die Fronten verhärteter zu sein als vorher. Am Ende blieb der Rat der FDP-Bildungsexpertin Mieke Senftleben, das Thema am besten bis zum nächsten Frühjahr ruhen zu lassen. Und die Ankündigung des Geschäftsmanns Helmut Morent, in diesem Jahr zum ersten Mal in seinem Leben nicht CDU zu wählen.

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