Kommentar : Qualitätspaket mit Langzeitwirkung

Bildungssenatorin Sandra Scheeres arbeitet immer noch das Qualitätspaket ihres Vorgängers Jürgen Zöllner ab.

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Was Nachhaltigkeit in der Politik bedeuten kann, wird deutlich, wenn man das Qualitätspaket des ehemaligen Bildungssenators Jügen Zöllner zur Hand nimmt: Knapp zwei Jahre nach seiner Verabschiedung ist das ambitionierte Maßnahmebündel so aktuell und brisant wie am ersten Tag. Kein Wunder also, dass Zöllners Nachfolgerin Sandra Scheeres die Punkte nach und nach umsetzt – und dabei auch gern einmal so tut, als wären es ihren eigenen Vorschläge.

Die letzte Gelegenheit, bei der dieser in der Politik verbreitete Brauch zu beobachten war, ergab sich, als SPD-Fraktionschef Raed Saleh mit seiner Forderung nach einer Kitapflicht den Weg an die Öffentlichkeit ging. Umgehend konterte Scheeres mit dem Gegenvorschlag, die Kinder doch einfach ein halbes Jahr früher zum Sprachtest zu holen und den obligatorischen Sprachkurs von drei auf fünf Stunden am Tag auszudehnen: Genau so stand es im Qualitätspaket ihres Vorgängers. Nur erwähnte sie das nicht.

Auch sonst treibt der längst aus der Politik ausgeschiedene Zöllner seine Nachfolgerin weiter vor sich her, ohne einen Finger zu rühren: Er hatte versprochen, die Abiturergebnisse schon ab 2012 zu veröffentlichen, was die Behörde oder das ihr zuarbeitende Institit für Qualitätsentwicklung aber offenbar nicht schaffte. Prompt kam Scheeres in Erklärungsnot. Nun soll es 2013 klappen: Mit Hochdruck arbeiten alle Beteiligten daran, die Daten noch vor den Herbstferien 2013 zu veröffentliche. Immerhin.

Wer gern glauben wollte, dass Jürgen Zöllner in seiner Amtszeit in erster Linie die Sekundarschulreform schaffte und sonst nicht so viel, könnte durch die Langzeitwirkung des Qualitätspaketes eines Besseren belehrt werden. Er könnte aber auch auf die Idee kommen, Vermutungen über die Nachhaltigkeit von Sandra Scheeres' Konzepten anzustellen.

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