Kurz vor ACHT : Bangemachen gilt nicht

Deutschlands Kuddelmuddel in Sachen Schule, auch „Föderalismus“ genannt, hat ja viele Nachteile. Mobile Familien wissen davon ein Lied zu singen. Aber auch sonst steigt kaum jemand durch: Vom Einschulungsalter bis zum Abitur kocht jedes Bundesland sein eigenes Süppchen. Nicht mal der Vorsitzende der Kultusministerkonferenz dürfte auch nur ansatzweise wissen, welches der 16 Bundesländer nun in welchem Jahr die Hauptschule abschafft oder doch lieber beibehält, wie es wer mit der kostenlosen Kita hält und mit der Schulbuchfreiheit – um nur einige Beispiele der föderalen Freiheit zu nennen.

Und doch gibt es Momente, in denen man sich freut über den bunten Flickenteppich der Schulpolitik. Ein solcher Moment ist gerade jetzt: Während sich viele Berliner Gymnasiasten schon fast um den Schlaf bringen lassen vor lauter Angst um ihre Konkurrenzfähigkeit im Doppeljahrgang 2012, könnte sie ein Blick nach Sachsen-Anhalt oder ins Saarland beruhigen: Dort haben die Doppel-Abiturienten nahezu identisch abgeschnitten – unabhängig davon, ob sie zwölf oder 13 Jahre Zeit hatten. Dabei hatten Panikmacher zuvor gewarnt, dass die jüngeren Schüler „ins Bodenlose stürzen“ würden.

Bald wird sich zeigen, ob auch in Berlin diese positive Überraschung gelingt. Das wird nicht nur davon abhängen, ob die Lehrpläne ebenso gut gestrafft und überarbeitet wurden wie in den Magdeburg und Saarbrücken. Sondern auch davon, ob die Schulen genug Lehrer haben und die richtigen Kurse anbieten, um den Turbo-Schülern den Einstieg in die Oberstufe zu erleichtern. Eine schöne Aufgabe – wenn man sie annimmt. Hier schlägt mal wieder die Stunde der Schulleiter. Hoffentlich gucken sie über den Tellerrand. sve

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