Kurz vor ACHT : Casting statt Mathe

Ist die Bildungsverwaltung gut beraten, dass sie das Verbot der Unterrichtsbefreiung für Castings wieder gelockert hat? Für die Schüler ist es wohl wichtiger, sie würden erstmal die Kulturtechniken Rechnen, Lesen und Schreiben erlernen.

Kinder sollen „Medienkompetenz“ erwerben, na klar. Sie sollen lernen, wie Fernsehsendungen und Zeitungen gemacht werden, nach welchen Kriterien Nachrichten ausgewählt werden, wie man mit Blogs umgeht und was Twittern ist. Dazu muss man aber wohl kaum an Castings und anderen Nachmittagsshows teilnehmen. Deshalb fragt man sich, ob die Bildungsverwaltung gut beraten war, dass sie jetzt das Verbot der Unterrichtsbefreiung für Castings wieder gelockert hat.

Im Ausnahmefall könne für die Mitwirkung „insbesondere an Film- und Fernsehaufnahmen eine Beurlaubung gewährt werden“, heißt es bei der Bildungsverwaltung. Die für Medienwirtschaft zuständige Senatskanzlei erklärt, die Teilnahme an Filmproduktionen „könne die Persönlichkeitsentwicklung fördern und Medienkompetenz vermitteln“. Anfang Januar hatte die Bildungsverwaltung Beurlaubungen für Castings noch grundsätzlich ausgeschlossen.

Selbst nach der Lockerung beschwert sich die Allianz Deutscher Produzenten, dass ihr die Regelung nicht weit genug gehe. Schließlich müssten „elementare Kulturtechniken“ vermittelt werden. Für immer mehr Schüler wäre es aber wohl wichtiger, sie würden erstmal die Kulturtechniken Rechnen, Lesen und Schreiben erlernen. Auch in Hollywood haben Analphabeten höchstens Statistenrollen. clk

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