Kurz vor ACHT : Der Zoll hilft bei Bio

Annette Kögel

Viele Schüler denken heutzutage, dass die Milch von lilafarbenen Kühen kommt. Die einzigen vermeintlichen Haustiere, zu denen sie eine innige Beziehung pflegen, sind ihre Tamagotchis. Andere haben Hunde, aber diese werden Gassi geführt, indem man die Leine mit einem Stift auf einem Minicomputerbildschirm vorwärtsbewegt. Harte Zeiten für Biologielehrer. Gut, dass es den Zoll gibt.

Den Zoll? Seit Jahrzehnten stellen die Beamten an den Flughäfen im Zuge des Washingtoner Artenschutzabkommens illegal eingeführte Fracht als Souvenir sicher: Vom Aussterben bedrohte Muscheln und riesige Korallen, ausgestopfte Schildkröten, Schlangen in Alkohol, geschützte Orchideen und Kakteen, ja sogar lebende Äffchen, Spinnen und Papageien gehören zum konfiszierten Reisegepäck. So weit die schlechte Nachricht. Die gute wird nicht so laut verbreitet, damit sie nicht so viele Leute hören: All diese Güter werden gelagert – und die kostbaren Gegenstände auf Anfrage in Kitas oder Schulen vorgeführt oder auch mal ausgeliehen. Für Projekttage etwa oder wenn eine Schule mal etwas Besonderes vorhat.

Es gibt in Berlin und Brandenburg nämlich nicht nur weit über die eigene Arbeitszeit engagierte Pädagogen, es gibt solche einsatzbereiten Mitarbeiter auch beim Hauptzollamt Potsdam, das zuständig für die Berliner Flughäfen ist. Einige Kollegen nehmen sich die Zeit, die kostbare Fracht ehrenamtlich in Kitas oder Klassen zu bringen – nach Absprache mit dem zuständigen Bundesamt für Naturschutz. Sie erzählen dann auch viel über die Lebenswelt der Tiere und Pflanzen und darüber, wie moderner Massentourismus deren Existenz bedroht. Das ist nicht nur Aufklärungs-, sondern auch Präventionsarbeit, sagt Pressesprecher Detlef Szesny. Denn die Kinder würden wiederum ihre Eltern erziehen, so die Hoffnung. Die Zollbeamten machen diese lebensnahen Lektionen dennoch nicht so publik, weil sie Sorge haben, eine zu große Nachfrage nicht bewältigen zu können.

Dennoch: Wer Interesse an Biologie live hat und sich um eine Zollvisite im Klassenraum bewirbt, kann seine Anfrage ruhig mailen an: presse@hzap.bfinv.de. Aber bitte etwas Geduld mitbringen, denn es kann gut sein, dass andere Interessenten schneller waren. Annette Kögel

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