Kurz vor ACHT : Die Klagewelle kommt 2011

Seit letzter Woche ist es amtlich: Eltern haben in diesem Jahr 150 Klagen gegen die Zuweisung ihrer Kinder an Oberschulen angestrengt. Angesichts von rund 25 000 Siebtklässlern sind 150 Klagen nicht eben eine große Zahl. Und dennoch gibt es Grund zu Besorgnis.

Zum einen deshalb, weil sich hinter diesen Klagen eine viel größere Zahl von Widersprüchen verbirgt, die nur deshalb nicht zur Klage führten, weil die Bezirke mangels Erfolgsaussichten einlenkten und lieber übergroße Klassen bildeten. Zum anderen deshalb, weil das alles nur ein Vorgeschmack auf das ist, was 2011 kommt.

Denn 2011 ist ein Ausnahmejahr: Zunächst müssen rund 40 Prozent mehr Kinder als 2010 auf Gymnasien und Sekundarschulen verteilt werden, weil durch die vorgezogene Schulpflicht im Jahr 2005 ein viel größerer Jahrgang entstanden ist. Zum anderen greift erstmals das neue Aufnahmeverfahren: Während bisher meist die Grundschulempfehlung in Verbindung mit der Entfernung zwischen Schule und Wohnort den Ausschlag gab, können ab 2011 die Schulen nach eigenen Kriterien die Schüler auswählen.

Dies könnte etwa bedeuten, dass ein musikbetontes Gymnasium einen eher mittelmäßigen Schüler nimmt, der aber fantastisch Klavier spielt. Wie werden darauf die anderen Eltern reagieren, deren Kind die besseren Noten hat? Wer sollte ihnen verwehren, vor Gericht zu beweisen, dass ihr Kind viel besser Flöte spielt als der Konkurrent Klavier? Und wie will man gerichtsfest darlegen, dass das eine Kind besser für das Profil „Wirtschaft“ geeignet ist als das andere? Gut möglich, dass auf die Richter Überstunden zukommen. Und dass begehrte Schulen künftig weitere Gebäude mieten müssen. sve

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