Kurz vor ACHT : Die Norm der Noten

Keine Frage: Die Übergangsregeln von den Grundschulen an die weiterführenden Schulen waren und bleiben kompliziert. Und auch künftig wird dieses System Ungerechtigkeiten produzieren. Auf eine Ungerechtigkeit haben jetzt Friedrichshainer Eltern hingewiesen: Die Bewertungssysteme für Grundschüler sind von Schule zu Schule unterschiedlich. Weil künftig die Noten beim Übergang in die weiterführenden Schulen den Ausschlag geben, fordern Eltern ein berlinweit einheitliches Punktesystem. Sie vergessen aber, dass es absolute Gerechtigkeit bei Benotung nicht geben kann.

Zwar ist es wichtig, vergleichbare Grundlagen zu schaffen. Aber wenn ein Schüler nur bei 100 Prozent der erreichten Punkte eine Eins bekommt und ein anderer noch bei 98 Prozent, muss das noch lange nicht ungerecht sein – möglicherweise war die eine Arbeit viel leichter als die andere.

Daraus lässt sich nur ein Schluss ziehen: Noten sollten im Übergang an die Oberschule einen weniger hohen Stellenwert haben. Stattdessen zeichnet sich nun das Gegenteil ab: Viele Schulen werden auf Zensuren als Auswahlkriterium zurückgreifen. Weil sie dadurch gute Schüler bekommen und weil die Auswahl juristisch weniger anfechtbar ist als bei schwammigeren Kriterien wie etwa musischer Vorbildung. So wird der Druck auf die Fünft- und Sechsklässler immer größer. Genau das wollte Bildungssenator Zöllner ursprünglich vermeiden. Doch weil jetzt jede Schule ihre Kriterien selbst festlegen kann, ist der Streit um den gefürchteten Notenschnitt wieder aktuell. pth

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