Kurz vor ACHT : Die Urkunde ist unantastbar

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Eine Urkunde ist was Endgültiges. Wer sie in den Händen hält, der beweist damit, dass er was geleistet hat, in der hohen Politik oder auch nur bei den niederen Bundesjugendspielen. Diese Sportwettkämpfe laufen seit jeher unter Aufsicht des Bundespräsidenten; er schaut zwar nicht persönlich vorbei, lässt aber die obligatorischen Urkunden unterschreiben. Man wird argwöhnen dürfen, dass ein paar hochbezahlte Juristen in den vergangenen Tagen hektisch gerätselt haben, ob ein zurückgetretener Präsident in diesem Sinne noch zeichnungsberechtigt ist – oder die schon fertig gedruckten Urkunden in den Papiermüll müssen.

Das Ergebnis steht nun fest: Müll. Und weil noch niemand weiß, wer demnächst unterzeichnet, gibt es die neuen Urkunden nicht wie sonst vor den Sommerferien, sondern später. Und, so ist zu vermuten, mit erneuten Kosten.

Ja, der Rechtsstaat, er ist uns lieb und teuer. Vermutlich hätten sich maximal drei Elternvertreter über die falsche Unterschrift beschwert. Und Horst Köhler selbst wäre wohl kaum auf die Idee gekommen, sein Autogramm zurückzuziehen für Leistungen, die durchaus in seiner Amtszeit erbracht wurden. Doch allein die Vorstellung eines so laxen Umgangs mit einer deutschen Urkunde ist für deutsche Beamte unerträglich. Da mögen die Etats noch so knirschen und krachen, die Regierungen wanken und schwanken: Die amtliche Urkunde ist ein Dokument der Wahrhaftigkeit über allen fiskalischen Kleinmut hinweg. Könnte ja sonst jeder kommen und behaupten, er sei grad mal Präsident. Bernd Matthies

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