Kurz vor ACHT : Höchste Zeit für klare Ansagen

Susanne Vieth-Entus

Die Schulen in Berlin sind besser ausgestattet als in fast allen anderen Bundesländern. So viel steht fest. Ja, wenden die Schulen dann schnell ein: Berlin habe ja auch mehr Migranten, mehr Elend, müsse daher mehr kompensieren als Baden-Württemberg, Hamburg oder Bayern. Auch das steht fest.

Dennoch gibt es das eine oder andere an Berliner Sonderausstattung, über das man reden könnte. Wenn ein Gymnasium in guter Lage beispielsweise 40 Lehrerstunden für AGs abzweigen darf, hat das natürlich wenig zu tun mit Migration und Elend. Insofern kann man es Bildungssenator Jürgen Zöllner nicht verübeln, wenn er meint, dass so manche Schule ganz gut Krankheitsfälle kompensieren kann, ohne gleich massenhaft Unterricht ausfallen zu lassen: Sicher ist es möglich, eine AG ausfallen zu lassen, ohne dass gleich eine Katastrophe ausbricht.

Auch sonst verbirgt sich hinter der Berliner Zusatzausstattung manches, was man infrage stellen könnte. Etwa die Anzahl der Freistellungen für Personalräte oder für die Schulgärten, die auch durch Nichtakademiker betreut werden könnten. Man kann auch fragen, ob es Sinn macht, 1200 Stellen in die Behindertenintegration zu stecken, wenn dadurch nicht einmal erreicht wird, dass die Zahl der Sonderschulen sinkt.

Wenn man in dieser Richtung aber etwas ändern will, muss man das auch sagen. Dann muss man eben für die Schulgärten preiswerteres Personal holen oder die Gärten schließen (was sicher falsch wäre). Dann muss man mit den Gewerkschaften über andere Strukturen diskutieren. Dann muss man das Schulgesetz ändern, in dem bislang ganz klar der Vorrang für die Behindertenintegration enthalten ist. Das alles muss man tun. Oder man muss aufhören zu erzählen, dass Berlins Schulen Reserven haben, die beliebig herhalten können, wenn der reguläre Unterricht vertreten werden muss. Susanne Vieth-Entus

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