Kurz vor ACHT : Ich brauch Urlaub!

Antonie Rietzschel

Hey, du da. Ja genau du: Schüler! Wisch dir gefälligst dieses entspannte Grinsen aus dem Gesicht und hör auf, deinen Sonnenbrand aus dem Italienurlaub zu präsentieren wie ein Boxer seine blauen Flecken nach einem Weltmeisterschaftskampf. Nein es interessiert mich wirklich nicht, dass du dich vergangene Woche jeden Tag erst um vier aus dem Bett gepellt hast, um anschließend stundenlang schlechte Fernsehunterhaltung in dich reinzustopfen: Kallwass, Barbara Salesch, Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Einfach so.

Ich weiß, dass du Sommerferien hast. Sechs Wochen.

Aber was rege ich mich eigentlich auf? Eines Tages wird es dir genauso gehen wie mir vor zwei Jahren, als ich mit meinem Abschlusszeugnis in der Hand hinaus ins Leben geschubst wurde. Mein Rat: Du musst dich früh genug fragen, was danach kommt. Denn wenn du es nicht tust, dann tun es deine Eltern. Nichts mit Faulenzen. Stattdessen Studienplatz suchen, Ausbildungsvertrag abschließen oder einfach nur jobben. Ich entschied mich für zwei Jahre Arbeit. Keine Lust, gleich wieder Bücher zu wälzen.

„Du wirst die Schulzeit vermissen.“ Diesen Satz meiner Eltern erwiderte ich immer mit einem Augenverdreher. Ich habe mir meine Schule bis jetzt nicht zurück gewünscht, wohl aber diese festen unbeeinflussbaren Termine, an denen ich Ferien hatte. Da konnte kommen, was wollte, die Ferien standen fest. Wenn ich heute mal freihaben will, muss ich das umständlich beantragen und jemanden finden, der mich vertritt. Selbstbestimmung ist anstrengend. Ich brauch Urlaub!

Also sei dankbar, lieber Schüler, und genieße die restliche Ferienzeit. Stillschweigend. Wenn du mich weiterhin nervst, werde ich dir zur Strafe Anfang nächsten Jahres von meinem dreimonatigen Winterschlaf erzählen. Dann bin ich nämlich Student, und Semesterferien können lang sein. Antonie Rietzschel

Antonie Rietzschel, 20, ist Redakteurin bei der Jugendzeitschrift „Spiesser“

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