Kurz vor ACHT : Kalte Dusche für Lateinlehrer

Gerd Nowakowski

Lange Tage in der Schule, Lehrerkonferenzen, Korrektur von Klassenarbeiten – viel Zeit für Fortbildung bleibt da kaum. Wer trotzdem die Energie und das Engagement aufbringt, sollte alle Unterstützung der Verwaltung erhalten, sollte man denken. Denkste. Was eine Fortbildung ist, darüber bestimmt in Berlin nicht der Bildungssenator, sondern der Personalrat.

Wer mitdenkt, hat schon verloren. Das musste jetzt der Deutsche Altphilologenverband Berlin feststellen. „Wasser ist das Beste“, so soll die Veranstaltung heißen, die Josef Rabl, Lateinlehrer am Charlottenburger Wald-Gymnasium, organisiert. Wasserversorgung in Pompeji und die Technik der kunstvollen Wasserspiele der Villa Hadrian bei Rom. Für Lateinlehrer, die Schwung in den Unterricht bringen wollen, ist das ein reizvolles Thema: Fachreferenten sind engagiert, die Berliner Wasserbetriebe stellen Räume und Verpflegung. Und weil der rührige Lateiner Rabl mit der Weiterbildung nicht die Schulen belasten und Unterrichtsausfall vermeiden möchte, wird der Termin auf einen Sonnabend gelegt. Wie schon bei den letzten drei Veranstaltungen. Die waren übrigens alle ausgebucht.

Alles bestens? Von wegen. Die kalte Dusche kam prompt: Die Senatsverwaltung teilte mit, dass Veranstaltungen am Sonnabend keine Fortbildungen sind. Dazu nämlich müssten diese spätestens am Freitag um 14.30 Uhr beginnen. Wer also verantwortungsvoll handelt, wird bestraft. Kann das noch jemand verstehen? Die Senatsbildungsverwaltung gibt sich hilflos. Man könne den Frust verstehen, die Entscheidung aber sei korrekt, wurde dem Organisator Josef Rabl mitgeteilt. Verantwortlich für die Ablehnung sei der Personalrat. Der bestätigt das auch. Wegen der Belastung der Pädagogen sei man gegen Wochenendtermine, bestätigt der Vorsitzende des Hauptpersonalrats, Knut Langenbach. Das sei die Antwort darauf, dass der frühere Bildungssenator Klaus Böger grundsätzlich Fortbildungen nur nach Unterrichtsschluss oder an freien Tagen zulassen wollte. Deswegen „schauen wir uns das genauer an“, sagt der Personalrat. Es scheint, als flösse noch viel Wasser die Spree hinunter, bis bildungswillige Lehrer selbst entscheiden dürfen, wann sie sich fortbilden. Gerd Nowakowski

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