Kurz vor ACHT : Kein Lob dem Speckgürtel

Susanne Vieth-Entus

An der Berliner Schulpolitik kann man ja manches kritisieren. Bevor man aber vor lauter Frust nach Brandenburg auswandert, sollte man sich das ganz genau überlegen. Es gibt dort nämlich nicht nur Zumutungen, die man unter „höhere Gewalt“ verbuchen könnte, wie etwa die Ausdünnung der Schullandschaft infolge des Geburtenrückgangs, sondern auch massive Verschlimmbesserungen seitens der Landesregierung. Jüngstes Beispiel: die Vergleichsarbeiten der Sechstklässler.

Wer sie verhaut oder jedenfalls nicht gut schreibt, dem werden dort sehr leicht die Türen vor den Gymnasien zugeschlagen. Während in Berlin ein Gymnasium jeden Schüler nehmen muss, solange es freie Plätze hat, während es in Berlin zudem noch Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe gibt und bald sogar noch Gemeinschaftsschulen geben wird, sind die Brandenburger Kinder überwiegend auf die sogenannten Oberschulen angewiesen, die mit der 10. Klasse abschließen.

Monatelang haben die Brandenburger Grundschullehrer ihre Schüler so gezielt es ging vorbereitet, um ihnen bloß nicht den Weg zum Abitur zu verbauen. Auch viele Eltern zerbrachen sich den Kopf, wie sie ihren Kindern helfen könnten. Manche strichen in einem Anflug von Panik sogar alle Sportveranstaltungen und AGs aus dem Nachmittagsprogramm.

Inzwischen ist der Spuk vorbei: Die Arbeiten sind geschrieben. Schon zeichnet sich ab, dass die Mathematikarbeit so fragwürdig bewertet wurde, dass selbst manche klugen Köpfe keine „Zwei“ schafften. Falkenseer Eltern haben über 2000 Unterschriften gesammelt, um gegen diese Art der Schulpolitik zu protestieren. Noch stehen die Landesergebnisse nicht fest. Fest steht nur: Berlin ist das kleinere Übel für Familien.

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