Kurz vor ACHT : Lernen nach dem Lustprinzip

Axel Vornbäumen, Redakteur für besondere Aufgaben beim Tagesspiegel, berichtet an dieser Stelle in loser Folge über seinen Sohn, der in Australien an einem Schüleraustausch teilnimmt.

Fünf Wochen ist Tim nun schon in Australien, seit vier Wochen geht er dort auf das Sandringham College in Melbourne. In gewissem Sinne hat er also „durchgearbeitet“, während seine Mitschüler vom Georg-Herwegh-Gymnasium in Hermsdorf noch die Sommerferien genießen, bevor sie dann auch in die 11. Klasse kommen. Ich frage mich allerdings, ob „durchgearbeitet“ tatsächlich der korrekte Begriff für das ist, was er dort unten tut. Denn bei der Zusammenstellung seines Fächerkanons ist Tim vernünftigerweise stark nach dem Lustprinzip vorgegangen, so hat das Leichte das Schwere auf wunderbare Weise verdrängt: „Drawing“, Zeichnen, nimmt nun einen gewichtigen Platz in seinem Stundenplan ein, „Outdoor Education“, „Planting Plants“ und auch „Drama“ – für Chemie beispielsweise oder für Biologie hat er infolgedessen keine Zeit.

In Australien, hat Tim kürzlich gesagt, sei „alles größer, sogar der Kühlschrank“. Wahrscheinlich trifft das auch auf das Denken generell zu, jedenfalls erscheint es im Schulalltag nicht so engstirnig, eher „ganzheitlich“ orientiert. „Drawing“ etwa wird am Sandringham College genauso wichtig genommen wie Biologie und Chemie so wichtig wie „Drama“. Das reale Leben wird stärker ins Klassenzimmer geholt, und dort, wo das nicht geht, bietet die Schule Exkursionen an.

In „Drama“ hat Tim die Aufgabe bekommen, ein Ein–Mann-Stück zu schreiben, das er dann auch selber aufführen muss. Er hat sich für die Gedanken eines Verurteilten entschieden, der in seiner Zelle auf seine Hinrichtung wartet. Mit dem Feinschliff für seinen Text war er das vergangene Wochenende gut beschäftigt, fast kann man sagen: er hat „durchgearbeitet“.

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