Kurz vor ACHT : Linke Gemeinschaft

Susanne Vieth-Entus

Die Bildungsverwaltung macht ernst mit der Gemeinschaftsschule. Im November, so wurde uns versprochen, will Bildungssenator Jürgen Zöllner die ersten Teilnehmer der Pilotphase nennen. Vor kurzem hat auch noch Pankow einen Kandidaten aus dem Hut gezaubert. Zunächst hatte sich in Pankow niemand für das Projekt interessiert, so dass die SPD-Stadträtin jetzt kurzerhand eine ganz neue Schule gründen will. Dieses Konstrukt hat für die findige Genossin den Vorteil, dass es in einer noch nicht existierenden Schule keine Eltern und Lehrer gibt, die das Unterfangen ablehnen.

Dass es von Elternseite immer noch starke Vorbehalte gegen Einheitsschulen gibt – jedenfalls dann, wenn ihre Kinder das Zeug zum Gymnasium haben – , zeigt sich aber nicht nur bei der Diskussion um die Gemeinschaftsschule.

Aktuell lässt sich der alte Konflikt auch wieder bei den Europaschulen beobachten. Wie berichtet, schreiben sich Eltern der Märkischen Grundschule die Finger wund, weil sie wollen, dass ihr deutsch-französischer Europaschulzweig am benachbarten Rolland-Gymnasium Einzug hält.

Nicht alle Eltern stehen allerdings offen zu dieser Affinität zum Gymnasium. Gesamtelternvertreterin Andrea Gysi, ehemalige PDS-Politikerin und Ehefrau von Gregor Gysi, betont jetzt öffentlich, es gehe bei ihren Bittbriefen an die Politik gar nicht um den Schultyp, sondern nur um die Wohnortnähe: die Sophie-Scholl-Gesamtschule, die bereits Europaschule für Französisch ist, sei schlicht zu weit weg. Dabei vergisst Frau Gysi allerdings zu erwähnen, dass es in ihrer Nähe nicht nur das Rolland-Gymnasium, sondern auch Gesamtschulen gibt; die hat man aber nicht gefragt, ob sie vielleicht auch gern Europaschule würden. Die Elternschaft um Frau Gysi schadet also nicht nur den dortigen Gesamtschulen, die um eine Chance kommen, sich zu profilieren, sondern auch der Sophie-Scholl-Gesamtschule, die es künftig schwerer hätte, leistungsstarke Schüler anzuziehen, wenn es ein Gymnasium als Konkurrenz gäbe.

Aber so ist das nun mal, wenn es nicht um linke Theorie, sondern nur um private Praxis geht. Und so war es fast immer, wenn Genossen in die Verlegenheit kamen, für ihre eigenen Kinder eine Schule zu finden. Susanne Vieth-Entus

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