Kurz vor acht : Lob der Auszeit im Ausland

Tim Vormbäumen, 17, hat ein halbes Schuljahr in Australien verbracht. Im Oktober schrieb er uns aus Melbourne über seine Erfahrungen dort. Jetzt ist er zurück und berichtet über seine Rückkehr.

Meine ersten Eindrücke in Tegel: Es ist kalt! Meine E-Gitarre ist nicht da! Und dann ein Flughafenmitarbeiter, den ich aus Gewohnheit auf Englisch frage: „Excuse me, Sir! Did you see a guitar case in the trunk of the plane?” Woraufhin er erwidert: „Wat fürn case?“

Die ersten Schritte wieder in Deutschland waren schon ungewohnt: Über Kleinigkeiten, wie auf der falschen Seite des Autos einzusteigen und immer wieder Wörter wie „sorry“, „you know, it´s like…“ oder einfach nur „thank you“ zu sagen, konnte sich nur meine Familie belustigen.

In der Zeit nach meiner Ankunft kam mir vieles unglaublich anders und verändert vor. Das erkannte ich auch an meinen Freunden, die ganz andere Dinge erlebt hatten und einen anderen Tim sahen. Und das nicht nur, weil ich in meinem halben Jahr Australien relativ dünn geworden war. Ich hatte wirklich das Gefühl, älter geworden zu sein.

Doch dieses Gefühl macht einen nicht unglücklich. Im Gegenteil: Es macht einen glücklich und auch stolz, um die Welt gekommen zu sein, eine zweite Sprache fast perfekt zu können und etwas zu haben, was nicht viele in meinem Alter haben: Die wichtige Erfahrung, ein halbes Jahr bei einer fremden Familie zu wohnen, auf eine fremde Schule zu gehen, neue Freunde kennenzulernen, in einer etwas anderen Kultur zu leben. Sicherlich war es schön, wieder zu Hause zu sein und den Alltag zu genießen, doch nach etwa einem Monat dachte ich mir schon, wie schön es sein würde, wieder in Australien ins Meer zu gehen, die neuen Freunde wiederzusehen und – vernünftig Englisch zu sprechen.

„Vernünftig Englisch sprechen“, sage ich deshalb, weil ich unter Englischunterricht Englisch sprechen verstehe und nicht größtenteils Deutsch. Nicht nur aus diesem Grund, sondern auch um dem einkehrenden Alltag zu entfliehen, überlege ich derzeit, was ich in der Zukunft verändern könnte. Auf jeden Fall werde ich nicht das letzte Mal für längere Zeit im Ausland gewesen sein.

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