Kurz vor ACHT : Lücken stopfen – irgendwie

Ranzen, Schreibetui, Sportbeutel, Turnschuhe, Schere, Klebestift, Hefte, Bleistifte, Wachsmaler, Anspitzer ... – über 220 Euro kostet die Erstausstattung eines Schülers. Das hat das Deutsche Kinderhilfswerk ausgerechnet. Viel Geld vor allem für Berliner Familien, von denen immerhin 40 Prozent auf staatliche Hilfen angewiesen sind.

Die SPD hat deshalb vergangene Woche beschlossen, dass man armen Erstklässlern etwas beisteuern sollte: 300 000 Euro fließen ab 2008 jährlich in die Härtefallfonds der Schulen, die davon unbürokratisch Hefte oder Malblöcke anschaffen können. Pro bedürftigem Erstklässler läuft das auf etwa 25 Euro hinaus.

„Ein Tropfen auf den heißen Stein“, befindet Mieke Senftleben von der FDP. Auch die Linkspartei hatte sich mehr Geld gewünscht. „Besser als gar nichts“, entgegnen pragmatische Schulleiter, die froh darüber sind, überhaupt irgendeine Art von Verfügungsmasse zu haben. Und es wird sicher bald so weit sein, dass auch für Dritt- oder Viertklässler das eine oder andere Heft oder Geodreieck dabei abfällt. Denn wer sollte es Schulleitern verübeln, wenn sie das Geld dort einsetzen, wo es ihnen am nötigsten erscheint.

So wird aus dem so euphemistisch „Starterpaket“ genannten Zuschuss schon bald nichts anderes werden als eine neue und zweifellos willkommene Form des Lückenstopfens. Wie anders sollte es auch sein in einer Stadt mit Schulen, in denen nur noch eine schwindende Minderheit der Eltern Arbeit hat. Schulen, in denen früher oder später auch jene verwahrlosten Kinder landen, die heute noch zwei- oder dreijährig an Fenstern stehen und vergeblich nach ihrer Mutter rufen – wie gerade in Spandau geschehen. Eltern auf Sauftour lassen nicht nur ihre Kinder in schmutzigen Wohnungen allein. Sie kaufen auch keine Schreibhefte. sve

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