Kurz vor ACHT : Sehnsucht nach Kurt

Susanne Vieth-Entus

Kurz vor acht war es gestern in vielen Schulen noch bitterkalt. Vor lauter gutem Willen, Geld zu sparen (und auch „Emission“ – wie gern betont wird), hatten es die Bezirksämter nicht geschafft, die nach drei Ferienwochen völlig ausgekühlten Schulen rechtzeitig auf Wohlfühltemperatur zu bringen. Manche Schüler mussten zumindest in der ersten Stunde ihre Mäntel anbehalten, bis die warmen Körper der Klassenkameraden die Räume auf natürliche Weise aufgeheizt hatten. Schlechter dran waren da Schulleiter, die schon am Freitag das eine oder andere hatten erledigen wollen: Sie suchten bald das Weite, weil ihre Büros vereist waren.

Wer sehnte sich angesichts dieser unwirtlichen Zustände, angesichts des frühen Aufstehens und des Staus auf dem Stadtring nicht zurück zum Neujahrsskispringen am gemütlichen Fernseher oder gar auf die Skipiste! Auch auf dem Berge ist es zwar kalt, aber dafür knirscht der Schnee, die Sonne blinzelt durch die Tannen und der Skianzug ist gut gefüttert.

Und sage keiner, auf der Piste könne man nichts lernen! Schon vergessen, dass es dort sogar (Ski-)Schulen gibt und richtige (Ski-)Lehrer?! Zum Beispiel Kurt im Kleinwalsertal. Er bringt einem bei, wie man alle Berge der Welt herunterfährt, und lästert zwischendurch ein bisschen über deutsche Lehrer, die mit ihren Schulklassen auf Berge steigen, die dafür nicht geeignet sind (Kurt hat jahrelang bei der Bergrettung gearbeitet).

Ach, Kurt fände es schrecklich in unserem Berlin: Keine Berge, keine Tannen, kein Schnee. Und dann auch noch die schlechte Luft hier. Allerdings ist ja Besserung in Sicht: Wenn wir nicht nur unsere Schulen, sondern auch Polizeiwachen, Kitas, Sozialämter, Sparkassen und Wohnzimmer ab und zu so richtig schön auskühlen lassen und wenn dann auch noch die Feinstaubplaketten Wirkung zeigen, wird es bald keine Emissionen mehr geben, und auch Kurt kann hier richtig gut durchatmen.

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