Kurz vor ACHT : Sparen bis es quietscht

Sparen müsse man jetzt überall, nur nicht bei der Bildung, hat die Bundeskanzlerin im Angesicht des Griechenland-Desasters verkündet. Ähnliches hört man in Berlin auch auf Landesebene – allerdings schon seit Jahren. Und hier kann die Kanzlerin deshalb gut lernen, wie man es hinkriegt, trotzdem zu sparen. Wichtig ist dabei vor allem, dass es der Bürger nicht gleich merkt.

Ein gutes Berliner Beispiel für das heimliche oder auch indirekte Sparen bei der Bildung ist das Herunterfahren der öffentlichen Gesundheitsversorgung: Seit Sarrazins Zeiten wurden die Stellen der Bezirksärzte so lange reduziert oder blockiert, bis es jetzt nicht einmal mehr möglich ist, alle künftigen Erstklässler rechtzeitig vor der Einschulung zu untersuchen. Das aber bedeutet, dass die Schulen gar nicht wissen, welche Problemfälle da auf sie zukommen. So programmiert man Fehlstarts.

Ein weiteres schönes Beispiel für das indirekte Sparen bei der Bildung ist der Umgang mit den Referendaren. Dass sie unterrichten müssen, damit sie während ihrer Ausbildung ihren Beruf lernen, steht ja außer Frage. Entscheidend sind dabei aber die Rahmenbedingungen: Man kann ihnen viel oder wenig Unterricht aufbürden; man kann ihnen systematisch Hilfe durch erfahrene Lehrer angedeihen lassen. Man kann die Schulen durch ein enges personelles Korsett auch zwingen, ihre Referendare allein und unvorbereitet auf Klassen loszulassen.

Das alles merken erst mal nur wenige: die Kinderärzte in den Brennpunktkiezen, die Lehrer der künftigen ersten Klassen, die Referendare und ihre Schüler. Es dauert Jahre, bis der Schaden offenkundig wird, der entsteht, weil Problemkinder nicht rechtzeitig gefördert oder weil 600 Lehrer durch Azubis (Sprich: „Referendare“) ersetzt wurden. Ins Politikerdenken übersetzt, ist das die übernächste Legislaturperiode. Und daher uninteressant. Für Wowereit. Und für Merkel? Man wird sehen. sve

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