Kurz vor ACHT : Sparstrumpf statt Zuckertüte

Der erste Schultag ist etwas ganz Besonderes. Die Fotos oder Videos mit strahlenden Kinderaugen über prallen Zuckertüten begleiten uns ein Leben lang. Aus gutem Grund versüßen Eltern ihren Sprösslingen den Übergang in eine Phase, die nicht mehr nur Spiele, sondern auch Pflichten kennt. Umso bitterer ist es, wenn Mütter oder Väter vor der Einschulung nicht nur die Sorge plagt, ob ihr Kind den neuen Lebensabschnitt meistern wird, sondern auch simple Geldnot.

Nach Berechnungen des Deutschen Kinderschutzbundes liegen die Kosten allein für die Einschulung derzeit bei rund 300 Euro pro Kind. Nicht für die Schultüte wohlgemerkt, sondern für das Nötigste: Ranzen, Füller, Zirkel. Bei deutschlandweit 2,4 Millionen Kindern springt der Staat in die Bresche, weil die Eltern Hartz-IV-Empfänger, Asylbewerber oder Geringverdiener sind.

Inzwischen müssen sich laut Kinderschutzbund aber auch viele Normalverdiener die Bildungskosten für ihre Kinder vom Mund absparen. Das beginnt nicht mit der Schulzeit und endet leider auch nicht mit ihr. Einige Bundesländer haben bereits die Lernmittelfreiheit eingeschränkt und Studiengebühren eingeführt. Der Staat hat die Dauer der Kindergeldzahlung um zwei Jahre gekürzt, und bei steigenden Preisen und Mieten kommt kein Student mehr mit dem Bafög aus. Vielleicht sollte man den Kindern zur Einschulung künftig statt der Zucker- oder Schultüte einen Sparstrumpf schenken. Denn richtig schlimm wird es, wenn sie aus finanziellen Gründen nicht am Internetunterricht teilnehmen, nicht die weiterführende Schule besuchen, nicht studieren können.

Der Kinderschutzbund hat nun kostenlose Bildung für alle vom Kindergarten bis zur Universität gefordert. Kein einziger Politiker hat auch nur darauf reagiert. So wird der erste Schultag ihrer Kinder auch für viele Berliner Eltern der Beginn einer langen finanziellen Durststrecke bleiben. Sozial ist das nicht. das

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