Kurz vor ACHT : Umziehen oder bangen

Vor einiger Zeit verständigte sich das Abgeordnetenhauses darauf, Geschwisterkinder zu bevorzugen, wenn die Plätze an einer Grundschule knapp sind. Damals atmeten viele Eltern auf, denn sie übersahen, dass die schöne neue Regelung erst ab dem Schuljahr 2009/10 gilt.

Nun ist an sich gegen die gemächliche Inkraftsetzung nichts zu sagen, denn es ist verständlich, dass einiges zu tun bleibt, bevor aus einer Willensbekundung im Parlament eine justiziable Amtshandlung wird.

Dennoch würden sich Eltern wünschen, dass die Bezirke die Regelung schon im Hinterkopf haben, wenn sie die knappen Schulplätze verteilen, denn die Lage der Familien hat sich auch anderweitig verschärft: Etliche Bezirke haben nämlich die alten Einzugsbereiche mancher Grundschulen geändert, die zu voll zu werden drohen. Deshalb kann es passieren, dass Familien plötzlich entlegenen Grundschulen zugeordnet werden, ohne dass sie umgezogen sind.

In solchen Fällen müsste es eigentlich selbstverständlich sein, dass für die Familien ein gewisser Bestandsschutz gilt und Geschwister bevorzugt werden, auch wenn es die Geschwisterregelung offiziell noch nicht gibt. In der Realität sieht es aber anders aus. Schon ist von Eltern zu hören, die aus Angst vor einer Ablehnung Scheinadressen im neuen Einzugsbereich angeben.

Und dann? Ja, und dann kann es sein, dass ein detektivisch begabter Bezirksamtsmitarbeiter Verdacht schöpft. Und dann verschickt er unangenehme Briefe und fragt, ob denn, bitte schön, die Familien XY tatsächlich umgezogen sei. Und ob sie denn nicht wisse, dass falsche Meldedaten mit 500 Euro Strafe geahndet werden

Eltern haben also die Wahl beziehungsweise das Risiko, die richtige Adresse anzugeben und abgewiesen zu werden oder die falsche Adresse anzugeben und – ebenfalls abgewiesen zu werden. In jedem Fall ist das Ganze für die Betroffenen der reine Horror. sve

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