Kurz vor ACHT : Unwissend in den Urlaub

„Man kann Urlaub nicht verbieten, sondern nur intelligent abstimmen.“ So lautet einer der Sätze, die Kreuzberg-Friedrichshains Baustadträtin Jutta Kalepky einfallen, wenn man sie zur Situation an der neuen Sekundarschule im Graefekiez befragt. Recht hat sie. Bei der praktischen Umsetzung dieser Erkenntnis scheint es dann aber doch zu hapern. Wie anders wäre sonst zu erklären, dass die ziemlich verzweifelte Schulleiterin keine Ansprechpartner fand, als sie eine Woche vor Schulbeginn eine Baustelle betrat: kein Hausmeister, keine Schulamtsleiterin, keine Baustadträtin, keine Bildungsstadträtin.

Ein paar andere Leute wie die Schulrätin und die Projektleiterin waren zwar im Dienst, machten sich aber auch kein Bild von der Lage am Ort des Geschehens. Einzig der Architekt kam und vertrat die Ansicht, dass Unterricht sehr wohl möglich sei. Architekten haben offenbar einen anderen Blick auf Schule als die Beteiligten.

Aber welchen Blick haben die politisch Verantwortlichen? Wenn die zuständigen Stadträtinnen jetzt behaupten, sie hätten sehr wohl und trotz Urlaub gehandelt, wenn sie doch nur gewusst hätten, wo was schiefläuft, dann müssen sie sich schon fragen lassen, ob sie sich eine derartige Unwissenheit leisten können. Und warum sie nicht auf die Idee gekommen sind, prophylaktisch eine kleine Bezirksrundfahrt zu unternehmen, wenn eine – auch von ihnen vertretene – Schulreform ansteht. Und wenn Millionenbeträge verbaut werden, auf die sie angeblich doch immer so händeringend gewartet hatten. Aber vielleicht sind ihnen die Schüler einfach nicht wichtig genug, wie eine 16-jährige Zehntklässlerin vermutet. sve

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