Kurz vor ACHT : Alte Heimat, neue Technik

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Die Schule war Heimat, ein Zuhause auf Zeit. Weil der Unterricht im Albert-Schweitzer-Gymnasium einen inspirierte und erwachsen werden ließ. Weil die Lehrer einem durch ihre Leidenschaft die Liebe für Sprachen, fürs Soziale, für Biologie, Erdkunde und auch für die Kunst vermittelten. Sport nicht zu vergessen, Volleyball, in der Schulmannschaft, in der Arbeitsgemeinschaft und im Verein in der Schulsporthalle. Da ließ unsereins am Nachmittag und den Wochenenden gern die riesige Schultür ins Schloss fallen. Manchmal nahm ich Besuch mit rein, um ihm meine Schule nahe dem Hermannplatz zu zeigen: Das Klassenzimmer, die Mosaikwasserbecken, mein Gymmi, in dem es auch harte Zeiten in der Klassengemeinschaft zu überstehen gab, aber dann flossen doch bei einigen Tränen des Abschieds, als wir das Abiturzeugnis bekamen.

Es riecht immer noch so wie früher. Schüler suchen jetzt nach Ideen, den Vorplatz attraktiver zu gestalten, den wir damals in unserer Aktion „Mutter Erde“ vom Parkplatz zum Vorplatz machten, nachts da zelteten, frisch gemähtes Gras ausstreuten und den Friedenskunstturm schufen. Doch das Abi 1982 ist lange her. Das Vorzeigegymnasium ist immer noch eins, dank innovativer Ganztagsschulangebote hat sich die Oberschule im diffizilen Neukölln-Nord als herausragende Schule positioniert. Doch teils glauben Schulfremde, da ebenfalls eine vorübergehende Heimat zu finden. Es sind die Drogendealer aus der Hasenheide. Doch die toleriert an der Schule niemand, und zuletzt setzten die Wachschützer sie wieder vor die Tür. Weil sich der Bezirk aber die persönlichen Schutzengel nicht mehr leisten kann oder will, prüft das Schweitzer-Gymnasium nun ein Chipkartensystem. 700 000 Euro Kosten im Jahr fielen zuletzt bei den 15 Schulen mit privatem Wachschutz in ganz Neukölln an.

Ob aber eine Chipkartenanlage preisgünstiger ist, ist sehr zweifelhaft, und noch ist nichts entschieden. Eine Fachfirma will Ende Januar einen Kostenvoranschlag präsentieren. Schulleiter Georg Krapp kennt solche Sicherungssysteme von seiner Zeit an einer deutsch-tschechischen Schule in Prag, da konnten die Schüler das videoüberwachte Schultor nur per Chip öffnen. Aber ihm wären die persönlichen Wachschützer, die großen Brüder mit Vorbildfunktion, viel lieber als eine technisch hochgerüstete Lehranstalt. Menschen können auf individuelle Gegebenheiten reagieren, Technik kann das nicht. Und jeder wird mal seine Karte vergessen, dann braucht man doch wieder menschliches Einlasspersonal.

Der Senat sollte daher den Wachschutz an all jenen Berliner Schulen, die ihn wollen, mitfinanzieren. Die Bildungssenatorin ist schließlich Dienstherrin der Lehrer und für ihre Sicherheit verantwortlich. Jeder Vorfall an einer Schule, gegen Lehrer oder Schüler gerichtet, ist einer zu viel. Annette Kögel

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