Kurz vor ACHT : Berliner Schulen: Wunschprogramm für 2009

Susanne Vieth-Entus

Weihnachten ist vorbei, aber die Zeit des Wünschens endet nie. Vor allem nicht in Schulfragen. Eltern, die ihr Kind dieses Jahr ein- oder umschulen, wünschen sich natürlich, die richtige Schule zu finden. Eine mit guter Atmosphäre, netten Schülern, kompetenten Lehrern und einem Schulleiter, der diese drei Dinge zusammenhält oder zumindest anpeilt.

Auch von Politikern wünschen sie sich einiges. Zum Beispiel, dass die gut 80 Millionen Euro, die es 2009 für die Sanierung von Berliner Schulgebäuden gibt, optimal, gerecht und schnell eingesetzt werden. Und noch wichtiger, sozusagen der Wunsch Nummer eins schlechthin, besteht darin, dass in der Klasse des eigenen Kinder kein Lehrer dauerhaft krank wird. Und wenn doch, dass schnell Ersatz kommt.

Das aber dürfte immer schwieriger werden, denn die Reserven sind fast verbraucht. Die ehemals berühmte lange Liste mit Tausenden Lehrern, die darauf brennen, eingestellt zu werden, existiert schon lange nicht mehr. In einigen Fächern kann man die verfügbaren Kräfte an einer Hand abzählen. Deshalb hat sich der Senat kurz vor Weihnachten – man könnte auch sagen „kurz nach zwölf“ – darauf geeinigt, junge Lehrer mit monatlich zusätzlich 400 Euro brutto an Berlin zu binden. Gleichzeitig werden aber weiterhin gute Pädagogen vergrault, indem sie in Berlin zu spät Einstellungszusagen bekommen. Ja, es passiert sogar noch immer, dass gute Leute mit Mangelfächern keinen Referendariatsplatz bekommen, weil die gesetzlich vorgeschriebenen Kontingente, die es jedes Jahr für jedes einzelne Fach gibt, ausgeschöpft sind.

Anstatt schnell die Größe des Kontingents zu ändern, anstatt die wenigen vorhandenen Kräfte mit schnellen Verträgen zu halten, lässt der Bildungssenator in seiner jüngsten Presseerklärung wissen, Berlin spüre, „dass sich der Konkurrenzkampf um gute, neu einzustellende Lehrer verschärft“ habe. Da fragt man sich: Ist diese Presseerklärung bereits eine vorauseilende Entschuldigung für kommenden Unterrichtsausfall? Oder will uns da jemand moralisch darauf vorbereiten, dass Berlin seine Lehrer wieder verbeamten muss, um im Konkurrenzkampf mit den anderen Ländern, die allesamt verbeamten, bestehen zu können? Womit schon wieder ein neuer Wunsch da wäre: Möge der Senat nie vergessen, dass es Berufe gibt, denen der Beamtenstatus nicht gut tut. Susanne Vieth-Entus

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