Kurz vor ACHT : Den Tätern auf der Spur

Die CDU prangert den geplanten freien Zugang zum Gymnasium für "bildungschwächere" Schüler mitsamt Probejahr als "Verbrechen" an. Dabei gibt es diese Regelung im Kern schon seit 1951 - mit Billigung der CDU. Nur das Losverfahren ist neu.

Susanne Vieth-Entus

Eine atemlose Woche liegt hinter Berlins Schulpolitikern: Sie begann mit der rot- roten Suche nach einem Kompromiss bei der umstrittenen Verlosung von Schulplätzen. Und sie endete damit, dass die Opposition das Losverfahren mitsamt dem Gefeilsche um die Höhe der Losquote – 50/25/30 Prozent – im Abgeordnetenhaus genüsslich ausbreitete.

CDU-Bildungsfachmann Sascha Steuer begnügte sich im Plenum allerdings nicht damit, das Verfahren politisch zu kritisieren, nein, er betätigte sich auch gleich noch als Kriminalist, indem er ein „Verbrechen“ aufdeckte. In seiner Rede befand er nämlich, dass es „ein Verbrechen an den schwächeren Schülern dieser Stadt“ sei, wenn künftig „durch das Losverfahren bildungsschwächere Schüler Zugang zum Gymnasium erhalten, ohne dass das Gymnasium zusätzliche Lehrer zu ihrer Förderung erhält“.

Was der leidenschaftliche Redner dabei allerdings zu erwähnen vergaß: Den freien Zugang zum Gymnasium mitsamt Probehalbjahr als Regulativ gibt es – nach Angaben der Senatsverwaltung für Bildung – schon seit 1951 und zwar mit den Stimmen von CDU (!), SPD und FPD. Neu ist aber, dass künftig nicht mehr die BVG-Verbindung, sondern ein Losverfahren den Ausschlag geben soll, wenn es mehr Anmeldungen als Plätze gibt.

Sascha Steuer sollte nun schnellstens herausfinden lassen – vielleicht durch den wissenschaftlichen Parlamentsdienst –, ob das von ihm aufgespürte Verbrechen inzwischen verjährt ist. Andernfalls müsste man nur herausfinden, wer 1951 in Berlin (West) an der Entscheidung beteiligt war. Was bestimmt einfacher werden dürfte, als dem Bildungssenator nachzuweisen, dass er für Frau Sarrazin eine Extrawurst gebraten hat. Aber das ist wieder eine andere Geschichten, die aufzuklären sich Steuer vor geraumer Zeit vorgenommen hat. Susanne Vieth-Entus

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