Kurz vor ACHT : Eltern, Lehrer und ein Bürgermeister

Politik ist einfach – solange die Fronten schön klar verlaufen. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn der rot-rote Senat einen Schultyp durchsetzen will, den ein CDU-regierter Bezirk nicht mag. Dann sagt der Bezirk „Nein“, und gut ist. So einfach ist das. Und so gibt es dann eben in den eher bürgerlich regierten Bezirken Reinickendorf und Steglitz-Zehlendorf keine Gemeinschaftsschulen.

Nun kommt die Übersichtlichkeit aber ins Wanken und der Bürgermeister von Steglitz-Zehlendorf, Norbert Kopp (CDU), in Bedrängnis: Die Gremien der Grundschule am Rohrgarten und der Nikolaus-August-Otto-Hauptschule haben beschlossen, dass sie zu einer Gemeinschaftsschule zusammenwachsen wollen. Das haben die Schulen ihrem Bürgermeister mitgeteilt und bei ihm für Unterstützung geworben, denn das Bezirksamt soll darüber am Dienstag entscheiden.

Was dabei herauskommt, ist noch offen. Sicher ist bisher nur, dass die grüne Bildungsstadträtin Anke Otto das Ansinnen der beiden Schulen unterstützt, während Kopp bislang eher skeptisch reagiert. Ist auch nicht einfach für ihn, denn die Feinbilder geraten durcheinander: Da wollen doch tatsächlich bürgerliche Eltern aus dem bürgerlichen Zehlendorf die Fusion mit einer Hauptschule zu einem von der Linkspartei initiierten Schulform „Gemeinschaftsschule“.

Vielleicht sollte der Bürgermeister mal hinter die Fronten sehen und auch hinter die Schultüren. Dann könnte er zum Beispiel erfahren, dass die Nikolaus-August-Otto-Schule eine der erstaunlichsten Schulen der Stadt ist, die ebenso wie die Rohrgarten-Grundschule immer eigene Weg gesucht hat, um den Kindern den Spaß am Lernen (wieder-) zu geben. Ein Traumpaar, das sich da zunächst einmal verloben will, bevor die richtige Eheschließung (sprich: Fusion) kommt. Dass man solches Gemeinschaftsglück nicht verhindern sollte, wird Herr Kopp seinen Parteifreunden auf Landesebene schon klarmachen können. Eine schöne Lektion unter dem Motto „Dogmatismus – nein danke“. sve

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