Kurz vor ACHT : Erster Schritt zur Besserung

Viele interessante und einige gute Nachrichten gab es vergangene Woche für Berlins Schulen. Die beste von allen: Berlins Schüler sind seltener von Gewalt betroffen als ihre Altersgenossen in anderen deutschen Hauptstädten. Angesichts der sozialen Brennpunkte in der Stadt und der hohen Zahl von Kindern in prekären Lagen war das nicht zu erwarten.

Allerdings – fast wäre es mit dieser guten Nachricht nichts geworden. Berlins Zahlen sind nur bedingt vergleichbar mit dem Bundesgebiet. Die Bundeszahlen sind nämlich im Gegensatz zu den Berliner Zahlen drei Jahre alt: Bei der damaligen Befragung hatten sich zu wenige Berliner beteiligt, weshalb das Ganze jetzt wiederholt wurde. Und auch diesmal wäre die Sache beinahe gescheitert: Statt der angestrebten 5000 machten nur 3100 Schüler mit. Die Wissenschaftler sagen, dass die Studie dennoch repräsentativ ist.

Fest steht, dass die Beteiligung vor allem deshalb so schwach war, weil der Landeselternausschuss Stimmung gegen die Umfrage gemacht hatte. Es hieß, die Anonymität sei nicht gesichert und außerdem drohe eine Retraumatisierung von Opfern durch die Art der Fragestellung.

Bislang ist bei den bundesweit und in Berlin befragten 45 000 Schülern allerdings nichts dergleichen bekannt geworden. Stattdessen gab es jede Menge Erkenntnisgewinne – auch für Berlin. Denn die Stadt hat nicht nur erfahren dürfen, dass sie keineswegs ein Moloch der Schulgewalt ist. Sondern sie weiß jetzt auch, dass es ein überdurchschnittlich großes Problem gibt mit Graffiti, Cannabis, Schwänzern und Gewalt in öffentlichen Verkehrsmitteln. Es ist gut, auch die schlechten Nachrichten schwarz auf weiß zu sehen. Wer etwas nicht weiß, dem fehlen Argumente zum Gegensteuern. sve

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