Kurz vor ACHT : Grober Unfug

von

Kein Infoschreiben der Schule löst wohl bei berufstätigen Eltern so viel Stöhnen und Stirnrunzeln aus wie der Schrieb am Anfang des Schuljahres, auf dem die Ferien – und unterrichtsfreien Tage – mitgeteilt werden. Zwei Wochen Herbstferien, eineinhalb Wochen Weihnachtsferien, kurz danach Winterferien, Osterferien, sechs Wochen im Sommer und dazwischen noch jede Menge Brückentage oder schulfrei wegen Fortbildungen.

Ans Hetzen vom Büro zum Hort zum Kinderarzt und ans Dauerorganisieren haben sich die meisten Eltern gewöhnt. Der Spagat zwischen Kinderbetreuung und Beruf ist ohnehin täglich neu zu leisten. Doch zu Ferienzeiten stößt die elterliche Elastizität an ihre natürliche Grenze – nämlich an die Inkompatibilität von 25 oder 30 Urlaubstagen der Eltern mit den 72 schulfreien Tagen ihrer Kinder. Das passt einfach nicht zusammen, nicht für zwei Berufstätige, schon gar nicht für Alleinerziehende.

Für viele Familien ist deshalb die Ferienbetreuung im Hort die einzige Lösung, auch wenn so manches Kind die Ferien vielleicht lieber zu Hause verbringen würde. Doch die Horte bieten ein abwechslungsreiches Programm, dort sind Freunde und vertraute Erzieher.

Natürlich ist es begrüßenswert, dass Fünft- und Sechstklässler während der Schulzeiten nun ohne Bedarfsprüfung in den Hort können. Doch was und ob sich der Senat überhaupt etwas dabei gedacht hat, diesen Jahrgängen keine Ferienbetreuung zu gewähren, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Manche Fünftklässler sind erst neun Jahre alt. Welche Eltern würden ihr Kind in dem Alter guten Gewissens wochenlang allein zu Hause lassen? Der Vorschlag des Senats, die Kinder auf Jugendfreizeiten von Vereinen zu schicken, bürdet den Eltern noch mehr Organisationsstress und finanzielle Lasten auf. Die neue Regelung zur Hortbetreuung ist nicht nur eine Verschlimmbesserung, sondern grober Unfug. svo

1 Kommentar

Neuester Kommentar