Kurz vor ACHT : Kein Kontakt zur Basis

Dieser Schuss wäre fast nach hinten losgegangen: Während die werdende rot-grüne Koalition drauf und dran ist, den älteren Lehrkräften eine Arbeitsermäßigung zuzubilligen, hätte die GEW beinahe alles vermasselt.

Dazu muss man wissen, dass die GEW-Vorsitzenden in diesen Tagen mit den Spitzen von SPD und Grünen verhandeln, um die Arbeit für die über 55-Jährigen zu erleichtern. Um rund 10 000 Betroffene geht es dabei. Selbst wenn jeder von ihnen nur eine Stunde weniger arbeiten müsste, würde das ungefähr 20 Millionen Euro kosten.

Wer so viel Geld will, muss überzeugend agieren. Stattdessen kündigte die Gewerkschaft für Mittwoch einen Streik an, ohne sich vorher darüber zu informieren, ob die Basis da überhaupt mitmachen möchte. Das Ende vom Lied: Der Streik musste abgesagt werden – wegen mangelnder Unterstützung in den Schulen. So etwas kommt selten vor und ist der Worst Case für eine Gewerkschaft. Es fühlt sich aber immer noch besser an als ein Streik ohne Streik-Teilnehmer: Bei geringer Teilnahme hätte der neue Senat auf die Idee kommen können, dass die Not der Lehrer gar nicht so groß ist.

Und das wäre fatal gewesen, denn die mangelnde Streikbereitschaft hat andere Gründe: Timing und interne Kommunikation der GEW stimmten nicht. Es gab einfach keine Aufbruchstimmung, die für einen Streik nötig ist – zumal dann, wenn Strafen drohen, weil Streiken für Beamte immer noch verboten ist.

All das hat die neue GEW-Führung nicht bedacht. Sie hat nicht nach innen gehorcht, sondern nach außen agiert. Sie wollte auftrumpfen, statt zu überzeugen. Ob man sich so verhält, um bei der Basis zu punkten? sve

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